Unser Stifter: Wilhelm Sander

Der Verlust eines ihm nahe stehenden Menschen durch ein Krebsleiden sowie die Furcht vor einer Erkrankung gaben dem zu Lebzeiten eher als sparsam bzw. nüchtern kalkulierend geltenden Unternehmer Wilhelm Sander den Anstoß zur Gründung der Stiftung.

Wilhelm Sander

1897–1973

Wilhelm Sander wurde am 26. August 1897 als Sohn eines Arztes in Roth bei Nürnberg geboren. Im Jahr 1923 gründete er eine Fabrik für medizinisches Nahtmaterial, später erwarb er dafür den Firmennamen „Dr. Ruhland und Nachf.“.

Nachdem der Betrieb während des Zweiten Weltkriegs bei einem Luftangriff zerstört worden war, verlegte Wilhelm Sander das Unternehmen nach Neustadt an der Donau, wo er auch seinen Wohnsitz einnahm. Bereits vor der Währungsreform 1948 hatte Wilhelm Sander begonnen, in Mietwohngebäude zu investieren, zunächst durch den Kauf von älteren Gebäuden in Herne und Gießen, später durch den Bau von Mietwohnungen.

Ab Ende der Fünfzigerjahre betrieb Wilhelm Sander dann den Bau von Wohnungen im großen Stil. So errichtete er in München, Nürnberg und vor allem im Raum Leverkusen Wohnsiedlungen. Die in und um Leverkusen erstellten Wohnungen wurden von Mitarbeitern der Bayer AG bewohnt, wofür Bayer den Bau im Gegenzug mit Wohnungsdarlehen unterstützte.

In den Sechzigerjahren richtete Wilhelm Sander sein Augenmerk auch auf den Wohnungsmarkt in der Schweiz und erwarb dort mehrere Objekte.

Betriebsausflug der Firma Dr. Ruhland
Wilhelm Sander (vorne, 3. v. r.) auf einem Betriebsausflug der Firma Dr. Ruhland nach Klingenthal in Sachsen

Im unmittelbaren Umfeld wurde er mit dem Krebsleiden konfrontiert, als seine langjährige Mitarbeiterin und Haushälterin Lina Burkhardt an einem Multiplen Myelom, einer Art Knochenmarkkrebs, verstarb. Der schmerzhafte Verlust eines wichtigen Menschen sowie die Furcht vor einer Erkrankung gaben Wilhelm Sander den unmittelbaren Anstoß zur Errichtung dieser Stiftung.

Die Gründung der Stiftung

Nach dem Tod des Stifters war es zunächst die Aufgabe des von ihm eingesetzten Testamentsvollstreckers, des Notars Dr. Christian Schelter in Erlangen, sowie des Nachlasspflegers und späteren ersten Vorstandsvorsitzenden, Dr. Jörg Koppenhöfer, den Nachlass zu ordnen und zu konsolidieren, die testamentarisch verfügte Stiftungssatzung den inzwischen veränderten Verhältnissen anzupassen und sodann die Genehmigung der zuständigen Behörde, des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, einzuholen. Die Genehmigung wurde mit Verfügung vom 11. Dezember 1974 erteilt.

Gründungsdokument der Stiftung: Genehmigungsurkunde vom 11. Dezember 1974
Das Gründungsdokument der Wilhelm Sander-Stiftung: Genehmigungsurkunde vom 11. Dezember 1974

Wilhelm Sander – eine facettenreiche Persönlichkeit

Das Bild des Stifters, der die Höhen und Tiefen des
20. Jahrhunderts erlebte, lässt eine facettenreiche Persönlichkeit erkennen: Er galt als sparsam, nüchtern kalkulierend und in den Augen mancher Zeitgenossen sogar als geizig. Damit entzieht er sich zu Lebzeiten dem Klischee eines vorbildlichen Stifters. Dennoch hatte sich Wilhelm Sander, der unverheiratet blieb, schon lange vor seinem Tod mit dem Gedanken getragen, sein umfangreiches Vermögen gemeinnützigen Zwecken zu widmen. So veranlasste er kraft letztwilliger Verfügung vom 12. Januar 1964 die Errichtung der Wilhelm Sander-Stiftung und vererbte ihr sein gesamtes Vermögen – mit Ausnahme einiger Vermächtnisse an seine nächsten Verwandten und langjährige, verdiente Mitarbeiter.

Es war der Wille des Stifters, dass die Erträge der Stiftung ausschließlich Projekten der medizinischen Forschung, insbesondere der Krankheits- und Krebsbekämpfung zugutekommen sollten. Diesen Entschluss fasste Wilhelm Sander wohl auch aus persönlichen Gründen.

Am 13. Oktober 1975 trat der inzwischen satzungsgemäß berufene Stiftungsrat in Neustadt zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Er bestellte den Vorstand als geschäftsführendes Organ und berief die Mitglieder für den in der Satzung vorgesehenen Wissenschaftlichen Beirat. Nachdem die Wilhelm Sander-Stiftung somit handlungsfähig geworden war, konnte der Testamentsvollstrecker noch im Oktober 1975 den Nachlass Wilhelm Sanders an die Stiftung übergeben.

Erfahren Sie hier mehr über die Organisation der Stiftung.

Weitere Hintergründe zum Leben und Schaffen des Stifters können Sie nachlesen bei:

Latzin, Ellen: Wilhelm Sander-Stiftung. 1975-2005. Stifter, Entstehung, Tätigkeit. Utting: 2005.

Die Stiftungschronik erhalten Sie auf Anfrage unentgeltlich bei der Wilhelm Sander-Stiftung.

  • Porträt Wilhelm Sander

  • Das Testament von Wilhelm Sander aus dem Jahr 1964

  • Wilhelm Sander mit seiner Haushälterin Karoline Burkhardt bei einem Spaziergang am Pfingstsonntag 1949