Wilhelm Sander-Stiftung fördert sechzehn neue Krebsforschungsprojekte mit über 2.8 Millionen Euro

Die Wilhelm Sander-Stiftung hat im dritten Quartal 2026 16 Forschungsprojekte mit insgesamt 2.824.168 Euro in die Förderung aufgenommen. Sie reichen von der gezielten Auslösung der Ferroptose bei Bauchspeicheldrüsenkrebs über neue Immuntherapien bei Leukämien und Lymphomen bis zu schonenderen Bestrahlungsverfahren. Gefördert werden Vorhaben, die Mechanismen der Krebsentstehung und Therapieresistenz grundlegend aufklären und daraus neue diagnostische und therapeutische Ansätze ableiten.


Neue Ansätze bei Eierstockkrebs: eigene Immunzellen des Tumors helfen, Chemoresistenz zu überwinden

Eierstockkrebs spricht zunächst oft gut auf eine Chemotherapie an, kehrt jedoch meist in einer chemoresistenten Form zurück. Ein Team um Dr. Ricardo Coelho vom Universitätsspital Basel zeigt nun, dass die Kombination des in klinischer Erprobung befindlichen Wirkstoffs Birinapant mit einer Standard-Chemotherapie deutlich mehr Krebszellen abtötet als die Chemotherapie allein. Überraschend: Dieser verstärkte Effekt hängt von Immunzellen im Tumor, den sogenannten Makrophagen, ab, die ein Signal aussenden, das die Wirkung der Behandlung zusätzlich steigert. Die Ergebnisse könnten künftig helfen vorherzusagen, welche Patientinnen am meisten von dieser Therapie profitieren. Die Wilhelm Sander-Stiftung unterstützte das Projekt mit 134.000€.


Neue unterstützende Behandlungsmöglichkeit beim Embryonalen Rhabdomyosarkom

Rhabdomyosarkome sind die häufigsten Weichteiltumore bei Kindern. Es handelt sich um einen Tumor mesenchymalen Ursprungs, der den Skelettmuskelzellen sehr ähnlich ist. Man unterscheidet klassisch zwei Arten: das alveolare und das embryonale Rhabdomyosarkom. Beiden Tumorarten ist jedoch gemeinsam, dass die Tumorzellen zwar grundsätzlich die Fähigkeit haben, sich in postmitotische Skelettmuskelzellen zu differenzieren, diese Differenzierung aber inhibiert ist. Die Differenzierung von proliferierenden Tumorzellen in sich nicht mehr teilende differenzierte Myotuben oder Muskelfasern könnte einen neuen unterstützenden Ansatz in der Tumortherapie des Rhabdomyosarkoms darstellen. Forschende um Julia von Maltzahn an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) und dem Leibniz Institut für Alternsforschung (FLI) haben einen Weg gefunden, wie Zellen des embryonalen Rhabdomyosarkoms in differenzierte postmitotische Muskelzellen umgewandelt werden können. Die Wilhelm Sander Stiftung hat dieses Projekt mit 185.000 EUR unterstützt.


Genschere und Bluttest: neues Modell für die Lungenkrebsforschung

Das kleinzellige Lungenkarzinom ist eine der aggressivsten Krebsarten. Gewebeproben sind selten, realitätsnahe Mausmodelle daher unverzichtbar. Forschende um Thorsten Stiewe an der Philipps-Universität Marburg haben ein Modell entwickelt, in dem die CRISPR-Genschere einzelne Gene direkt in der Lunge ausschaltet und so Tumoren erzeugt. Ein Leuchtsignal im Blut macht sie messbar: Wenige Tropfen genügen, um ihr Wachstum zu verfolgen – Monat für Monat, ohne Belastung durch Narkosen. Gen für Gen wird so sichtbar, welche natürlichen Bremsen versagen müssen und wo neue Therapien ansetzen können. Die Wilhelm Sander-Stiftung förderte das Projekt mit 154.280 €.


Künstliche Intelligenz beurteilt Tumore aus allen Blickwinkeln

Ob ein Tumor besonders aggressiv ist, entscheidet oft über die richtige Behandlung – bislang lässt sich das meist nur durch eine belastende Gewebeprobe klären. Ein Forschungsteam um Prof. Dr. med. Jan Peeken und Johannes Kiechle am Universitätsklinikum der Technischen Universität München (TUM) hat nun ein KI-Verfahren entwickelt, das diese Frage direkt anhand von CT- und MRT-Aufnahmen beantworten soll. Die Wilhelm Sander-Stiftung förderte das Projekt mit rund 181.000 Euro. Die Ergebnisse wurden nun in der Fachzeitschrift Medical Image Analysis vorgestellt.


Wilhelm Sander-Stiftung fördert sechs neue Krebsforschungsprojekte mit über einer Million Euro

Die Wilhelm Sander-Stiftung hat im zweiten Quartal 2026 sechs Forschungsprojekte mit insgesamt 1.020.184 Euro in die Förderung aufgenommen. Sie reichen von der molekularen Regulation von Therapieresistenz über die Klassifizierung seltener TP53-Varianten bis zu neuen Immuntherapien bei Brust-, Leber- und Lungenkrebs. Gefördert werden Vorhaben, die Mechanismen der Tumorentstehung grundlegend aufklären und daraus therapeutische Ansätze ableiten.


Neuer Radiohybrid-Ansatz verbindet PET und SPECT für passgenauere Prostatakrebs-Therapie

Prostatakrebs zählt weltweit zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Männern. Bei fortgeschrittenen, metastasierten Tumoren fehlen jedoch oft präzise Werkzeuge, um Strahlentherapien individuell zu planen. Ein Forschungsteam um Dr. Constantin Mamat vom Institut für Radiopharmazeutische Krebsforschung am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) hat nun einen neuartigen Diagnoseansatz erprobt, der zwei bildgebende Verfahren kombiniert und den Weg zu einer passgenauen Strahlentherapie ebnen könnte. Die Wilhelm Sander-Stiftung förderte die Studie mit 166.000 Euro. Die Ergebnisse wurden im Journal of Medicinal Chemistry veröffentlicht.


Interdisziplinarität im Vordergrund: Die 75. Lindauer Nobelpreistagung

Die Lindauer Nobelpreisträgertagungen bringen seit über sieben Jahrzehnten Nobelpreisträger und Nachwuchswissenschaftler aus aller Welt zusammen. Im Zentrum steht der direkte, persönliche Austausch: Junge Forschende erhalten die Möglichkeit, mit führenden Köpfen ihres Fachs ins Gespräch zu kommen, sich international zu vernetzen und neue Impulse für die eigene Forschung mitzunehmen.

Vom 28. Juni bis 3. Juli 2026 fand in Lindau die 75. Nobelpreisträgertagung statt. Anders als in den Vorjahren stand dieses Jubiläum bewusst nicht nur einem einzelnen Fachgebiet offen, sondern setzte auf Interdisziplinarität: Rund 75 Nobelpreisträger und mehrere Hunderte Nachwuchswissenschaftler kamen zusammen, um gemeinsam über Fachgrenzen hinweg an aktuellen wissenschaftlichen Fragestellungen zu arbeiten.

In diesem Jahr durften auch zwei von der Wilhelm Sander-Stiftung unterstützte Nachwuchswissenschaftler an der Tagung teilnehmen: Philipp Jie Müller und Seungbin Han. Wir gratulieren beiden herzlich und freuen uns, ihren weiteren wissenschaftlichen Weg zu begleiten.

Weitere Informationen zur 75. Lindauer Nobelpreisträgertagung finden Sie auf der Webseite der Lindau Nobel Laureate Meetings


50 Jahre Stiftungsarbeit: „Wilhelm“ erscheint zur Jubiläumsausgabe

Die Wilhelm Sander-Stiftung bringt mit WILHELM ein eigenes Magazin heraus, das künftig einmal jährlich erscheint. Den Auftakt macht die Jubiläumsausgabe zum 50-jährigen Bestehen der Stiftung.


50 Jahre Wilhelm Sander-Stiftung

Am 19. Juni 2026 haben wir im Auditorium des Deutschen Museums München ein besonderes Jubiläum gefeiert: 50 Jahre Wilhelm Sander-Stiftung.

Was 1975 aus dem Nachlass des fränkischen Unternehmers Wilhelm Sander entstand, hat seither Maßstäbe gesetzt. Rund 350 Millionen Euro stellte die Stiftung für 2.700 Forschungsprojekte bereit – mit dem klaren Fokus auf medizinische Spitzenforschung, insbesondere in der Krebsforschung in Deutschland und der Schweiz. Der unternehmerische Grundgedanke, Risiko einzugehen, bevor der Ausgang feststeht, ist dabei bis heute das Fundament der Stiftungsarbeit.

Der Festakt bot mehr als einen Rückblick. Den inhaltlichen Schwerpunkt setzte die Keynote von Prof. Dr. Hermann Einsele, der aktuelle Entwicklungen in der Krebstherapie beleuchtete und neue Forschungsansätze vorstellte. Science Slams und eine interdisziplinäre Diskussionsrunde öffneten den Austausch zwischen Wissenschaft, privater Forschungsförderung und Öffentlichkeit – mit Fragen, die über den Abend hinausweisen: Welchen Stellenwert werden private Stiftungen künftig einnehmen? Welche Rahmenbedingungen braucht unabhängige Forschung? Wie lassen sich wissenschaftliche Freiräume langfristig sichern?

Pünktlich zum Jubiläum stellte die Stiftung außerdem ihr neues Magazin WILHELM vor – mit spannenden Projekten, persönlichen Perspektiven und wissenschaftlichen Meilensteinen aus fünf Jahrzehnten Stiftungsarbeit.

Ein herzliches Dankeschön gilt allen Gästen, Rednerinnen und Rednern sowie Weggefährten, die diesen Abend so besonders gemacht haben. Ihre Leidenschaft für Wissenschaft ist unser Antrieb – heute wie in den nächsten 50 Jahren.

ZUM PROGRAMM

Impressionen des Jubiläums


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