Interdisziplinarität im Vordergrund: Die 75. Lindauer Nobelpreistagung

Die Lindauer Nobelpreisträgertagungen bringen seit über sieben Jahrzehnten Nobelpreisträger und Nachwuchswissenschaftler aus aller Welt zusammen. Im Zentrum steht der direkte, persönliche Austausch: Junge Forschende erhalten die Möglichkeit, mit führenden Köpfen ihres Fachs ins Gespräch zu kommen, sich international zu vernetzen und neue Impulse für die eigene Forschung mitzunehmen.

Vom 28. Juni bis 3. Juli 2026 fand in Lindau die 75. Nobelpreisträgertagung statt. Anders als in den Vorjahren stand dieses Jubiläum bewusst nicht nur einem einzelnen Fachgebiet offen, sondern setzte auf Interdisziplinarität: Rund 75 Nobelpreisträger und mehrere Hunderte Nachwuchswissenschaftler kamen zusammen, um gemeinsam über Fachgrenzen hinweg an aktuellen wissenschaftlichen Fragestellungen zu arbeiten.

In diesem Jahr durften auch zwei von der Wilhelm Sander-Stiftung unterstützte Nachwuchswissenschaftler an der Tagung teilnehmen: Philipp Jie Müller und Seungbin Han. Wir gratulieren beiden herzlich und freuen uns, ihren weiteren wissenschaftlichen Weg zu begleiten.

Weitere Informationen zur 75. Lindauer Nobelpreisträgertagung finden Sie auf der Webseite der Lindau Nobel Laureate Meetings


50 Jahre Stiftungsarbeit: „Wilhelm“ erscheint zur Jubiläumsausgabe

Die Wilhelm Sander-Stiftung bringt mit WILHELM ein eigenes Magazin heraus, das künftig einmal jährlich erscheint. Den Auftakt macht die Jubiläumsausgabe zum 50-jährigen Bestehen der Stiftung.


50 Jahre Wilhelm Sander-Stiftung

Am 19. Juni 2026 haben wir im Auditorium des Deutschen Museums München ein besonderes Jubiläum gefeiert: 50 Jahre Wilhelm Sander-Stiftung.

Was 1975 aus dem Nachlass des fränkischen Unternehmers Wilhelm Sander entstand, hat seither Maßstäbe gesetzt. Rund 350 Millionen Euro stellte die Stiftung für 2.700 Forschungsprojekte bereit – mit dem klaren Fokus auf medizinische Spitzenforschung, insbesondere in der Krebsforschung in Deutschland und der Schweiz. Der unternehmerische Grundgedanke, Risiko einzugehen, bevor der Ausgang feststeht, ist dabei bis heute das Fundament der Stiftungsarbeit.

Der Festakt bot mehr als einen Rückblick. Den inhaltlichen Schwerpunkt setzte die Keynote von Prof. Dr. Hermann Einsele, der aktuelle Entwicklungen in der Krebstherapie beleuchtete und neue Forschungsansätze vorstellte. Science Slams und eine interdisziplinäre Diskussionsrunde öffneten den Austausch zwischen Wissenschaft, privater Forschungsförderung und Öffentlichkeit – mit Fragen, die über den Abend hinausweisen: Welchen Stellenwert werden private Stiftungen künftig einnehmen? Welche Rahmenbedingungen braucht unabhängige Forschung? Wie lassen sich wissenschaftliche Freiräume langfristig sichern?

Pünktlich zum Jubiläum stellte die Stiftung außerdem ihr neues Magazin WILHELM vor – mit spannenden Projekten, persönlichen Perspektiven und wissenschaftlichen Meilensteinen aus fünf Jahrzehnten Stiftungsarbeit.

Ein herzliches Dankeschön gilt allen Gästen, Rednerinnen und Rednern sowie Weggefährten, die diesen Abend so besonders gemacht haben. Ihre Leidenschaft für Wissenschaft ist unser Antrieb – heute wie in den nächsten 50 Jahren.

ZUM PROGRAMM

Impressionen des Jubiläums


Unternehmerische Triebfeder der Wissenschaft: 50 Jahre Wilhelm Sander-Stiftung

Welche Forschung bekommt eine Chance. Und warum? Diese Frage stellt sich die Wilhelm Sander-Stiftung seit ihrer Gründung vor 50 Jahren. Die unabhängige Stiftung mit Hauptsitz in Neustadt an der Donau sowie Standorten in München und Leverkusen fördert medizinische Spitzenforschung mit besonderem Fokus auf die Krebsforschung in Deutschland und der Schweiz. Hervorgegangen ist die Stiftung aus dem Nachlass des fränkischen Unternehmers Wilhelm Sander. Seit 1975 stellte die Stiftung rund 350 Millionen Euro für 2.700 geförderte Forschungsprojekte bereit. Am 19. Juni 2026 feiert die Stiftung ihr Jubiläum im Auditorium des Deutschen Museums in München. Der Blick ist dabei fest auf die Zukunft der Forschungsförderung gerichtet.


Zwei Signalwege kooperieren, um Glioblastomzellen empfindlicher für das Immunsystem zu machen

Glioblastome sind sehr aggressive Hirntumore und gegenüber herkömmlichen wie auch gezielten therapeutischen Interventionen resistent. Die Immunevasion ist bei Glioblastomen ausgeprägt, was die Immuntherapie bei den meisten Patienten erschwert. Interferon-γ ist ein Botenstoff, den Abwehrzellen einsetzen, um Krebszellen zu hemmen und abzutöten. Forschende um Claudio Giachino vom Departement Biomedizin der Universität Basel haben nun Belege dafür, dass die Aktivität des Notch-Signalwegs Subtypen von Glioblastomen empfindlicher für Interferon macht. Die Wilhelm Sander-Stiftung unterstützte das Projekt mit rund 165.000 €.


Kooperations-Auftakt: Bayerische Akademie der Wissenschaften und Wilhelm Sander-Stiftung veranstalten internationales Symposium

Die Bayerische Akademie der Wissenschaften (BAdW) und die Wilhelm Sander-Stiftung starten ihre Zusammenarbeit mit einem internationalen wissenschaftlichen Symposium im März 2027 zu den Themen Immunonkologie und Ferroptose. Die Veranstaltung markiert den Beginn einer intensivierten Kooperation auf dem Gebiet der Wissenschaftskommunikation – mit dem Ziel, die Sichtbarkeit und gesellschaftliche Wirkung medizinischer Forschung, insbesondere der Krebsforschung, gemeinsam zu stärken.


Foundations and start-ups: driving forces behind medical research

Zum Beschluss der Bayerischen Staatsregierung zur VC4Start-ups Initiative.

Private Stiftungen tragen entscheidend dazu bei, dass medizinische Forschung in Deutschland voranschreiten kann – oft dort, wo staatliche oder industrielle Förderlogik an ihre Grenzen stößt. Besonders in Bayern zeigt sich, wie stark das Zusammenspiel von Stiftungen, Universitäten und neuen Initiativen das Innovationsklima prägt. Jüngste politische Beschlüsse setzen zusätzliche Impulse und eröffnen neue Wege für medizinische Durchbrüche und Start-up-Finanzierungen.

Von Ernst G. Wittmann


Neue Chancen bei Gallengangskrebs: PARP-1 als Therapieziel bei KRAS-mutierten intrahepatischen Cholangiokarzinomen

Intrahepatische Cholangiokarzinome (iCCAs) gehören zu den bösartigsten Krebserkrankungen weltweit. Trotz Fortschritten in der Systemtherapie bleiben Optionen begrenzt, weshalb neue Strategien dringend benötigt werden. Eine Studie um Prof. Dr. Jens Marquardt vom UKSH Lübeck zeigt nun, dass die Aktivierung von PARP-1 eine zentrale Rolle in KRAS-mutierten iCCAs spielt – einer Mutation, die mit einer besonders schlechten Prognose verbunden ist. Durch die gezielte Hemmung von PARP-1 konnte das Tumorwachstum in präklinischen Modellen deutlich reduziert werden. Diese Ergebnisse eröffnen neue Ansätze für personalisierte Therapien. Die Wilhelm Sander-Stiftung unterstützte das Projekt mit 180.000 €.


Eine mögliche neue Strategie zur Überwindung der Immuntherapieresistenz im Bauchspeicheldrüsenkrebs und anderen Tumorerkrankungen

Zelluläre und Immuntherapien funktionieren derzeit bei Bauchspeicheldrüsenkrebs nicht oder nur unzureichend. Forscher der LMU München hatten herausgefunden, dass dies unter anderem an einem speziellen Botenstoff, dem Prostaglandin, liegt, das sowohl von Krebszellen als auch von deren Umgebung ausgeschüttet wird. Unterstützt von der Wilhelm Sander-Stiftung in Höhe von 177.000 Euro konnte die Arbeitsgruppe von Sebastian Kobold nun eine mögliche Strategie entwickeln, wie dieser Signalweg gezielt ausgeschaltet werden kann. Durch Genscheren konnten die Wissenschaftler nun in zellulären Therapien die Wirkung von Prostaglandinen ausschalten, was möglicherweise Immuntherapien auch bei dieser Erkrankung ermöglichen könnte.


Genveränderung eröffnet neue Angriffspunkte bei Neuroblastomen

Neuroblastome, eine aggressive Form von Krebs im Kindesalter, sind häufig schwer zu behandeln – insbesondere dann, wenn sie mit ungünstigen genetischen Veränderungen einhergehen. Unter der Leitung von Dr. Jan Dörr hat ein Forschungsteam nun untersucht, wie das Gen DDX1 die Eigenschaften von Tumorzellen beeinflusst. Dabei konnten die Forschenden zeigen, dass DDX1 bei vielen aggressiven Neuroblastomen gemeinsam mit dem Onkogen MYCN vervielfacht ist, den Zellstoffwechsel verändert und eine Abhängigkeit vom mTOR-Signalweg erzeugt. Zudem beeinflusst das Gen, wie Krebszellen auf Chemotherapie reagieren. Die Wilhelm Sander-Stiftung förderte das Projekt mit rund 198.000 Euro. Die Ergebnisse weisen auf eine potenziell neue Angriffsstelle für zukünftige Therapien hin.


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