Wilhelm Sander-Stiftung fördert sechs neue Krebsforschungsprojekte mit über einer Million Euro

Die Wilhelm Sander-Stiftung hat im zweiten Quartal 2026 sechs Forschungsprojekte mit insgesamt 1.020.184 Euro in die Förderung aufgenommen. Sie reichen von der molekularen Regulation von Therapieresistenz über die Klassifizierung seltener TP53-Varianten bis zu neuen Immuntherapien bei Brust-, Leber- und Lungenkrebs. Gefördert werden Vorhaben, die Mechanismen der Tumorentstehung grundlegend aufklären und daraus therapeutische Ansätze ableiten.


Neuer Radiohybrid-Ansatz verbindet PET und SPECT für passgenauere Prostatakrebs-Therapie

Prostatakrebs zählt weltweit zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Männern. Bei fortgeschrittenen, metastasierten Tumoren fehlen jedoch oft präzise Werkzeuge, um Strahlentherapien individuell zu planen. Ein Forschungsteam um Dr. Constantin Mamat vom Institut für Radiopharmazeutische Krebsforschung am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) hat nun einen neuartigen Diagnoseansatz erprobt, der zwei bildgebende Verfahren kombiniert und den Weg zu einer passgenauen Strahlentherapie ebnen könnte. Die Wilhelm Sander-Stiftung förderte die Studie mit 166.000 Euro. Die Ergebnisse wurden im Journal of Medicinal Chemistry veröffentlicht.


Interdisziplinarität im Vordergrund: Die 75. Lindauer Nobelpreistagung

Die Lindauer Nobelpreisträgertagungen bringen seit über sieben Jahrzehnten Nobelpreisträger und Nachwuchswissenschaftler aus aller Welt zusammen. Im Zentrum steht der direkte, persönliche Austausch: Junge Forschende erhalten die Möglichkeit, mit führenden Köpfen ihres Fachs ins Gespräch zu kommen, sich international zu vernetzen und neue Impulse für die eigene Forschung mitzunehmen.

Vom 28. Juni bis 3. Juli 2026 fand in Lindau die 75. Nobelpreisträgertagung statt. Anders als in den Vorjahren stand dieses Jubiläum bewusst nicht nur einem einzelnen Fachgebiet offen, sondern setzte auf Interdisziplinarität: Rund 75 Nobelpreisträger und mehrere Hunderte Nachwuchswissenschaftler kamen zusammen, um gemeinsam über Fachgrenzen hinweg an aktuellen wissenschaftlichen Fragestellungen zu arbeiten.

In diesem Jahr durften auch zwei von der Wilhelm Sander-Stiftung unterstützte Nachwuchswissenschaftler an der Tagung teilnehmen: Philipp Jie Müller und Seungbin Han. Wir gratulieren beiden herzlich und freuen uns, ihren weiteren wissenschaftlichen Weg zu begleiten.

Weitere Informationen zur 75. Lindauer Nobelpreisträgertagung finden Sie auf der Webseite der Lindau Nobel Laureate Meetings


50 Jahre Stiftungsarbeit: „Wilhelm“ erscheint zur Jubiläumsausgabe

Die Wilhelm Sander-Stiftung bringt mit WILHELM ein eigenes Magazin heraus, das künftig einmal jährlich erscheint. Den Auftakt macht die Jubiläumsausgabe zum 50-jährigen Bestehen der Stiftung.


50 Jahre Wilhelm Sander-Stiftung

Am 19. Juni 2026 haben wir im Auditorium des Deutschen Museums München ein besonderes Jubiläum gefeiert: 50 Jahre Wilhelm Sander-Stiftung.

Was 1975 aus dem Nachlass des fränkischen Unternehmers Wilhelm Sander entstand, hat seither Maßstäbe gesetzt. Rund 350 Millionen Euro stellte die Stiftung für 2.700 Forschungsprojekte bereit – mit dem klaren Fokus auf medizinische Spitzenforschung, insbesondere in der Krebsforschung in Deutschland und der Schweiz. Der unternehmerische Grundgedanke, Risiko einzugehen, bevor der Ausgang feststeht, ist dabei bis heute das Fundament der Stiftungsarbeit.

Der Festakt bot mehr als einen Rückblick. Den inhaltlichen Schwerpunkt setzte die Keynote von Prof. Dr. Hermann Einsele, der aktuelle Entwicklungen in der Krebstherapie beleuchtete und neue Forschungsansätze vorstellte. Science Slams und eine interdisziplinäre Diskussionsrunde öffneten den Austausch zwischen Wissenschaft, privater Forschungsförderung und Öffentlichkeit – mit Fragen, die über den Abend hinausweisen: Welchen Stellenwert werden private Stiftungen künftig einnehmen? Welche Rahmenbedingungen braucht unabhängige Forschung? Wie lassen sich wissenschaftliche Freiräume langfristig sichern?

Pünktlich zum Jubiläum stellte die Stiftung außerdem ihr neues Magazin WILHELM vor – mit spannenden Projekten, persönlichen Perspektiven und wissenschaftlichen Meilensteinen aus fünf Jahrzehnten Stiftungsarbeit.

Ein herzliches Dankeschön gilt allen Gästen, Rednerinnen und Rednern sowie Weggefährten, die diesen Abend so besonders gemacht haben. Ihre Leidenschaft für Wissenschaft ist unser Antrieb – heute wie in den nächsten 50 Jahren.

ZUM PROGRAMM

Impressionen des Jubiläums


Unternehmerische Triebfeder der Wissenschaft: 50 Jahre Wilhelm Sander-Stiftung

Welche Forschung bekommt eine Chance. Und warum? Diese Frage stellt sich die Wilhelm Sander-Stiftung seit ihrer Gründung vor 50 Jahren. Die unabhängige Stiftung mit Hauptsitz in Neustadt an der Donau sowie Standorten in München und Leverkusen fördert medizinische Spitzenforschung mit besonderem Fokus auf die Krebsforschung in Deutschland und der Schweiz. Hervorgegangen ist die Stiftung aus dem Nachlass des fränkischen Unternehmers Wilhelm Sander. Seit 1975 stellte die Stiftung rund 350 Millionen Euro für 2.700 geförderte Forschungsprojekte bereit. Am 19. Juni 2026 feiert die Stiftung ihr Jubiläum im Auditorium des Deutschen Museums in München. Der Blick ist dabei fest auf die Zukunft der Forschungsförderung gerichtet.


Zwei Signalwege kooperieren, um Glioblastomzellen empfindlicher für das Immunsystem zu machen

Glioblastome sind sehr aggressive Hirntumore und gegenüber herkömmlichen wie auch gezielten therapeutischen Interventionen resistent. Die Immunevasion ist bei Glioblastomen ausgeprägt, was die Immuntherapie bei den meisten Patienten erschwert. Interferon-γ ist ein Botenstoff, den Abwehrzellen einsetzen, um Krebszellen zu hemmen und abzutöten. Forschende um Claudio Giachino vom Departement Biomedizin der Universität Basel haben nun Belege dafür, dass die Aktivität des Notch-Signalwegs Subtypen von Glioblastomen empfindlicher für Interferon macht. Die Wilhelm Sander-Stiftung unterstützte das Projekt mit rund 165.000 €.


Kooperations-Auftakt: Bayerische Akademie der Wissenschaften und Wilhelm Sander-Stiftung veranstalten internationales Symposium

Die Bayerische Akademie der Wissenschaften (BAdW) und die Wilhelm Sander-Stiftung starten ihre Zusammenarbeit mit einem internationalen wissenschaftlichen Symposium im März 2027 zu den Themen Immunonkologie und Ferroptose. Die Veranstaltung markiert den Beginn einer intensivierten Kooperation auf dem Gebiet der Wissenschaftskommunikation – mit dem Ziel, die Sichtbarkeit und gesellschaftliche Wirkung medizinischer Forschung, insbesondere der Krebsforschung, gemeinsam zu stärken.


Foundations and start-ups: driving forces behind medical research

Zum Beschluss der Bayerischen Staatsregierung zur VC4Start-ups Initiative.

Private Stiftungen tragen entscheidend dazu bei, dass medizinische Forschung in Deutschland voranschreiten kann – oft dort, wo staatliche oder industrielle Förderlogik an ihre Grenzen stößt. Besonders in Bayern zeigt sich, wie stark das Zusammenspiel von Stiftungen, Universitäten und neuen Initiativen das Innovationsklima prägt. Jüngste politische Beschlüsse setzen zusätzliche Impulse und eröffnen neue Wege für medizinische Durchbrüche und Start-up-Finanzierungen.

Von Ernst G. Wittmann


Neue Chancen bei Gallengangskrebs: PARP-1 als Therapieziel bei KRAS-mutierten intrahepatischen Cholangiokarzinomen

Intrahepatische Cholangiokarzinome (iCCAs) gehören zu den bösartigsten Krebserkrankungen weltweit. Trotz Fortschritten in der Systemtherapie bleiben Optionen begrenzt, weshalb neue Strategien dringend benötigt werden. Eine Studie um Prof. Dr. Jens Marquardt vom UKSH Lübeck zeigt nun, dass die Aktivierung von PARP-1 eine zentrale Rolle in KRAS-mutierten iCCAs spielt – einer Mutation, die mit einer besonders schlechten Prognose verbunden ist. Durch die gezielte Hemmung von PARP-1 konnte das Tumorwachstum in präklinischen Modellen deutlich reduziert werden. Diese Ergebnisse eröffnen neue Ansätze für personalisierte Therapien. Die Wilhelm Sander-Stiftung unterstützte das Projekt mit 180.000 €.


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