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Im Inneren des Tumors - Einblick in aktuelle Forschungsprojekte

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Warum wehren manche Tumoren das Immun­system so wirkungsvoll ab? Warum schlägt eine Therapie zunächst an – und versagt dann? Vier Forschende, deren Projekte die Wilhelm Sander-Stiftung in ihrem Jubiläums­jahr 2025 fördert, geben Einblick in ihre Arbeit und zeigen, wie verschieden die Wege sein können, die in der Krebsforschung heute beschritten werden: vom molekularen Transporter in Kopf-Hals-Tumoren über den rätselhaften Doppelcharakter eines Signalwegs im Gehirn über die Suche nach dem Schlüssel zur Therapieresistenz bei Leukämie bis hin zu den Mechanismen, die Immunzellen im kindlichen Hirntumor zu Helfern des Krebses machen.

Wenn das Immun­system verstummt


ANNA DUBROVSKA, CLAUDIA ARNDT, ANNETT LINGE, Technische Universität Dresden


Ausgangspunkt war ein systematischer Laborvergleich: Das Team um Anna Dubrovska an der Technischen Universität Dresden untersuchte Membranproteine von normalen Tumorzellen sowie von solchen, die gezielt strahlenresistent gezüchtet worden waren. Dabei fiel immer wieder dasselbe Protein auf: CD98hc ist ein Transporter, der Aminosäuren, die Bausteine des Lebens, durch die Zellmembran schleust. Klinische Daten von Annett Linge und ihrem Team bestätigten den Verdacht: Tumoren, in denen dieses Protein besonders aktiv ist, sprechen schlechter auf eine Strahlenchemotherapie an und kehren häufiger zurück.

Im Mittelpunkt von Dubrovskas Forschung stehen Plattenepithelkarzinome im Kopf-Hals-Bereich (HNSCC), also Tumoren, die beispielsweise im Rachen, am Mundboden oder im Kehlkopf entstehen. Bei lokal fortgeschrittenem Befund beträgt die Fünf-Jahres-Überlebensrate rund 65 Prozent. Besonders schwer zu behandeln sind HPV-negative Fälle. Diese Tumoren sind resistent gegenüber Strahlen- und Chemotherapie und halten das Immunsystem des Körpers geschickt auf Abstand.

Strahlung und Immuntherapie – besser gemeinsam

Dubrovskas Hypothese zufolge ist CD98hc nicht nur ein Marker für Resistenz, sondern auch aktiv daran beteiligt, die Immunabwehr zu unterdrücken. Indem es den Stoffwechsel der Tumorzellen umprogrammiert, verändert es die chemische Umgebung des Tumors so, dass Immunzellen kaum noch eindringen oder wirksam werden können. In dreidimensionalen Tumormodellen, also im Labor gezüchteten Gewebekugeln, die einen echten Tumor imitieren, beobachtet das Team, ob Immunzellen das Tumorgewebe besser durchdringen können, wenn CD98hc ausgeschaltet wird.

Den eigentlichen Hoffnungsträger beschreibt Dubrovska wie folgt: „Unsere Hypothese ist, dass die Kombination aus Strahlentherapie und CAR-T-Zellen wirksamer ist als jede Behandlung für sich allein – gerade für immunkalte Tumoren wie HPV-negative HNSCC.” „CAR-T-Zellen sind genetisch veränderte Immunzellen, die gezielt auf Tumorzellen programmiert werden können“, erklärt Claudia Arndt. Dass eine Strahlentherapie das Immunsystem unter bestimmten Bedingungen zusätzlich aktivieren kann, ist ein vielversprechender Befund – und genau diesen Effekt wollen Dubrovska, Arndt und Linge für HNSCC nutzbar machen. Parallel dazu wertet ihr Team Gewebeproben von 150 Patientinnen und Patienten aus, um CD98hc als Biomarker zu etablieren. Dieser soll künftig vorhersagen, wer besonders von der Kombinationstherapie profitiert.

Porträt von Anna Dubrovska, CLAUDIA ARNDT, ANNETT LINGE

Wenn das Immun­system verstummt


ANNA DUBROVSKA, CLAUDIA ARNDT, ANNETT LINGE, Technische Universität Dresden


Ausgangspunkt war ein systematischer Laborvergleich: Das Team um Anna Dubrovska an der Technischen Universität Dresden untersuchte Membranproteine von normalen Tumorzellen sowie von solchen, die gezielt strahlenresistent gezüchtet worden waren. Dabei fiel immer wieder dasselbe Protein auf: CD98hc ist ein Transporter, der Aminosäuren, die Bausteine des Lebens, durch die Zellmembran schleust. Klinische Daten von Annett Linge und ihrem Team bestätigten den Verdacht: Tumoren, in denen dieses Protein besonders aktiv ist, sprechen schlechter auf eine Strahlenchemotherapie an und kehren häufiger zurück.

Im Mittelpunkt von Dubrovskas Forschung stehen Plattenepithelkarzinome im Kopf-Hals-Bereich (HNSCC), also Tumoren, die beispielsweise im Rachen, am Mundboden oder im Kehlkopf entstehen. Bei lokal fortgeschrittenem Befund beträgt die Fünf-Jahres-Überlebensrate rund 65 Prozent. Besonders schwer zu behandeln sind HPV-negative Fälle. Diese Tumoren sind resistent gegenüber Strahlen- und Chemotherapie und halten das Immunsystem des Körpers geschickt auf Abstand.

Strahlung und Immuntherapie – besser gemeinsam

Dubrovskas Hypothese zufolge ist CD98hc nicht nur ein Marker für Resistenz, sondern auch aktiv daran beteiligt, die Immunabwehr zu unterdrücken. Indem es den Stoffwechsel der Tumorzellen umprogrammiert, verändert es die chemische Umgebung des Tumors so, dass Immunzellen kaum noch eindringen oder wirksam werden können. In dreidimensionalen Tumormodellen, also im Labor gezüchteten Gewebekugeln, die einen echten Tumor imitieren, beobachtet das Team, ob Immunzellen das Tumorgewebe besser durchdringen können, wenn CD98hc ausgeschaltet wird.

Den eigentlichen Hoffnungsträger beschreibt Dubrovska wie folgt: „Unsere Hypothese ist, dass die Kombination aus Strahlentherapie und CAR-T-Zellen wirksamer ist als jede Behandlung für sich allein – gerade für immunkalte Tumoren wie HPV-negative HNSCC.” „CAR-T-Zellen sind genetisch veränderte Immunzellen, die gezielt auf Tumorzellen programmiert werden können“, erklärt Claudia Arndt. Dass eine Strahlentherapie das Immunsystem unter bestimmten Bedingungen zusätzlich aktivieren kann, ist ein vielversprechender Befund – und genau diesen Effekt wollen Dubrovska, Arndt und Linge für HNSCC nutzbar machen. Parallel dazu wertet ihr Team Gewebeproben von 150 Patientinnen und Patienten aus, um CD98hc als Biomarker zu etablieren. Dieser soll künftig vorhersagen, wer besonders von der Kombinationstherapie profitiert.

Porträt von Anna Dubrovska, CLAUDIA ARNDT, ANNETT LINGE

Ein Signalweg mit zwei Gesichtern


CLAUDIO GIACHINO, Universität Basel


Tumorzellen wachsen nicht im leeren Raum. Sie sind eingebettet in ein dichtes Netz aus Nachbarzellen, Botenstoffen und Immunzellen, das sie aktiv für sich nutzen. „Hirntumoren wachsen in einem komplexen Ökosystem“, sagt Projektkoordinator Claudio Giachino vom Department Biomedizin der Universität Basel. In diesem Ökosystem interagieren Tumorzellen mit vielen anderen Zelltypen des umliegenden Gewebes. Gliome, die häufigste und aggressivste Form von Hirntumoren, sind nicht deshalb so schwer zu behandeln, weil die Tumorzellen allein so widerstandsfähig wären. Sie nutzen ihr Umfeld geschickt, schalten das Immunsystem aus und schaffen sich so einen Schutzraum, in den Therapien kaum eindringen können.

Giachinos Forschungsgruppe konzentriert sich auf den Notch-Signalweg, ein evolutionär hoch konserviertes Zellkommunikationssystem, das in nahezu allen vielzelligen Lebewesen vorkommt und bestimmt, welche Rolle eine Zelle im Gesamtgefüge übernimmt. In der Krebsforschung galt Notch lange als Treiber, da der Signalweg Tumorzellen stammzellartige Eigenschaften verleiht und sie resistenter gegen Behandlung macht. Dann kam die überraschende Entdeckung: „Wir erkannten, dass der Notch-Signalweg das Wachstum bestimmter Hirntumor-Subtypen hemmen – statt fördern – kann.“ Derselbe Signalweg, zwei gegenteilige Wirkungen – je nach Tumortyp.

Den Tumor angreifbar machen

Diese Ambivalenz eröffnet neue therapeutische Möglichkeiten. Aktuelle Laborbefunde deuten darauf hin, dass eine erhöhte Notch-Aktivität die Tumorzellen empfindlicher für das Immunsystem macht, konkret für Interferon-gamma, einen Botenstoff, den Abwehrzellen einsetzen, um Krebszellen zu hemmen und abzutöten. Um diese Zusammenhänge zu entschlüsseln, setzt Giachinos Team auf gezielte Experimente in Mausmodellen und humanen Tumorzelllinien. Mal wird die Notch-Aktivität erhöht, mal ausgeschaltet – und jedes Mal wird beobachtet, wie der Tumor und sein Umfeld reagieren. Die Erkenntnisse könnten weit über Gliome hinausweisen, denn Notch-Signalwege und Immunzell-Interaktionen spielen bei vielen Krebsarten eine Rolle. 

Ein Signalweg mit zwei Gesichtern


CLAUDIO GIACHINO, Universität Basel


Tumorzellen wachsen nicht im leeren Raum. Sie sind eingebettet in ein dichtes Netz aus Nachbarzellen, Botenstoffen und Immunzellen, das sie aktiv für sich nutzen. „Hirntumoren wachsen in einem komplexen Ökosystem“, sagt Projektkoordinator Claudio Giachino vom Department Biomedizin der Universität Basel. In diesem Ökosystem interagieren Tumorzellen mit vielen anderen Zelltypen des umliegenden Gewebes. Gliome, die häufigste und aggressivste Form von Hirntumoren, sind nicht deshalb so schwer zu behandeln, weil die Tumorzellen allein so widerstandsfähig wären. Sie nutzen ihr Umfeld geschickt, schalten das Immunsystem aus und schaffen sich so einen Schutzraum, in den Therapien kaum eindringen können.

Giachinos Forschungsgruppe konzentriert sich auf den Notch-Signalweg, ein evolutionär hoch konserviertes Zellkommunikationssystem, das in nahezu allen vielzelligen Lebewesen vorkommt und bestimmt, welche Rolle eine Zelle im Gesamtgefüge übernimmt. In der Krebsforschung galt Notch lange als Treiber, da der Signalweg Tumorzellen stammzellartige Eigenschaften verleiht und sie resistenter gegen Behandlung macht. Dann kam die überraschende Entdeckung: „Wir erkannten, dass der Notch-Signalweg das Wachstum bestimmter Hirntumor-Subtypen hemmen – statt fördern – kann.“ Derselbe Signalweg, zwei gegenteilige Wirkungen – je nach Tumortyp.

Den Tumor angreifbar machen

Diese Ambivalenz eröffnet neue therapeutische Möglichkeiten. Aktuelle Laborbefunde deuten darauf hin, dass eine erhöhte Notch-Aktivität die Tumorzellen empfindlicher für das Immunsystem macht, konkret für Interferon-gamma, einen Botenstoff, den Abwehrzellen einsetzen, um Krebszellen zu hemmen und abzutöten. Um diese Zusammenhänge zu entschlüsseln, setzt Giachinos Team auf gezielte Experimente in Mausmodellen und humanen Tumorzelllinien. Mal wird die Notch-Aktivität erhöht, mal ausgeschaltet – und jedes Mal wird beobachtet, wie der Tumor und sein Umfeld reagieren. Die Erkenntnisse könnten weit über Gliome hinausweisen, denn Notch-Signalwege und Immunzell-Interaktionen spielen bei vielen Krebsarten eine Rolle. 

Wenn der Krebs die Regeln neu schreibt


CARSTEN MÜLLER-TIDOW, Universitätsklinikum Heidelberg


Therapieresistenz und Rückfall sind bei der akuten myeloischen Leukämie (AML) nach wie vor die größten klinischen Herausforderungen. Trotz anfänglichem Therapieansprechen kehrt die Erkrankung bei vielen Patienten zurück – dann oft resistenter als zuvor. Prof. Carsten Müller-Tidow von der Universitätsklinik Heidelberg sucht nach den molekularen Ursachen dieses Musters. Seine Arbeitsgruppe hat dabei einen zentralen Mechanismus identifiziert: den Verlust des Proteins EZH2. Als epigenetischer Regulator bestimmt EZH2, welche Gene in einer Zelle aktiv sind, indem es die Verpackung und Lesbarkeit der DNA beeinflusst, nicht jedoch die DNA selbst. Fällt dieses Protein weg, verändert sich das Aktivierungsmuster der Krebszellen grundlegend, sodass zuvor wirksame Chemotherapeutika nicht mehr anschlagen.

Vom Labor in die Klinik – und zurück

Der entscheidende Befund: EZH2 lässt sich wiederherstellen, indem das Proteasom gehemmt wird, also die zelluläre Müllabfuhr, die überschüssige Proteine abbaut. Wird dieser Prozess gestoppt, steigen die EZH2-Spiegel wieder an, und die Tumorzellen werden erneut empfindlich gegenüber der Chemotherapie. Dieser präklinische Befund mündete in die TEAM-Studie, eine klinische Studie, in der therapieresistente AML-Patienten mit dem Proteasom-Inhibitor Bortezomib behandelt wurden. Die Proben aus dieser Studie bilden nun die Grundlage für das aktuelle Projekt: Müller-Tidows Team analysiert mit modernsten Einzelzell-Sequenziertechniken, welche molekularen Merkmale mit Therapieansprechen oder Resistenz assoziiert sind, beispielsweise DNA-Mutationen, Oberflächenproteine oder Veränderungen im Proteom. Ziel ist es, Biomarker zu etablieren, die künftig vorhersagen, welche Patienten von einer Proteasom-Inhibitor-basierten Therapie profitieren. Dies wäre ein Schritt hin zu einer zielgenaueren, personalisierten Behandlung der AML. 

Porträt von CARSTEN MÜLLER-TIDOW

Wenn der Krebs die Regeln neu schreibt


CARSTEN MÜLLER-TIDOW, Universitätsklinikum Heidelberg


Therapieresistenz und Rückfall sind bei der akuten myeloischen Leukämie (AML) nach wie vor die größten klinischen Herausforderungen. Trotz anfänglichem Therapieansprechen kehrt die Erkrankung bei vielen Patienten zurück – dann oft resistenter als zuvor. Prof. Carsten Müller-Tidow von der Universitätsklinik Heidelberg sucht nach den molekularen Ursachen dieses Musters. Seine Arbeitsgruppe hat dabei einen zentralen Mechanismus identifiziert: den Verlust des Proteins EZH2. Als epigenetischer Regulator bestimmt EZH2, welche Gene in einer Zelle aktiv sind, indem es die Verpackung und Lesbarkeit der DNA beeinflusst, nicht jedoch die DNA selbst. Fällt dieses Protein weg, verändert sich das Aktivierungsmuster der Krebszellen grundlegend, sodass zuvor wirksame Chemotherapeutika nicht mehr anschlagen.

Vom Labor in die Klinik – und zurück

Der entscheidende Befund: EZH2 lässt sich wiederherstellen, indem das Proteasom gehemmt wird, also die zelluläre Müllabfuhr, die überschüssige Proteine abbaut. Wird dieser Prozess gestoppt, steigen die EZH2-Spiegel wieder an, und die Tumorzellen werden erneut empfindlich gegenüber der Chemotherapie. Dieser präklinische Befund mündete in die TEAM-Studie, eine klinische Studie, in der therapieresistente AML-Patienten mit dem Proteasom-Inhibitor Bortezomib behandelt wurden. Die Proben aus dieser Studie bilden nun die Grundlage für das aktuelle Projekt: Müller-Tidows Team analysiert mit modernsten Einzelzell-Sequenziertechniken, welche molekularen Merkmale mit Therapieansprechen oder Resistenz assoziiert sind, beispielsweise DNA-Mutationen, Oberflächenproteine oder Veränderungen im Proteom. Ziel ist es, Biomarker zu etablieren, die künftig vorhersagen, welche Patienten von einer Proteasom-Inhibitor-basierten Therapie profitieren. Dies wäre ein Schritt hin zu einer zielgenaueren, personalisierten Behandlung der AML. 

Porträt von CARSTEN MÜLLER-TIDOW

Wenn Immunzellen zu Helfern des Tumors werden


MARIUS MADER, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf


Kinder mit hochgradigen Gliomen, den aggressivsten Hirntumoren im Kindesalter, haben trotz intensiver Therapie kaum Heilungschancen, da kurative Behandlungsoptionen bislang nicht existieren. Dr. Marius Mader vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf erforscht die Pathobiologie dieser Erkrankung, wobei sein besonderes Interesse dem Tumormikromilieu gilt, also der zellulären Umgebung, in der ein Tumor wächst und die seinen Charakter maßgeblich mitbestimmt.

Als Postdoc-Wissenschaftler an der Stanford University leistete Mader Pionierarbeit auf dem Gebiet des Mikroglia-Austauschs. Er zeigte, dass die residenten Immunzellen des Gehirns systematisch durch externe Spenderzellen ersetzt werden können. Dieses Konzept bildet heute das Fundament seiner Forschungsgruppe, denn Mikroglia spielen eine entscheidende Rolle in Hirntumoren: Sie werden durch Tumorzellen umprogrammiert und fördern so das Tumorwachstum, anstatt es zu bekämpfen. Wie diese Umprogrammierung stattfindet, ist jedoch bislang kaum verstanden, nicht zuletzt, weil verfügbare Patientenproben pädiatrischer Gliome rar sind und meist erst in fortgeschrittenen Krankheitsstadien entnommen werden.

Neue Angriffspunkte in frühen Tumorstadien

Das Projekt zielt darauf ab, diese Wissenslücke zu schließen. Mader und sein Team entwickeln ein humanisiertes Mausmodell, in das aus induzierten pluripotenten Stammzellen gewonnene menschliche Mikroglia eingebracht und anschließend mit pädiatrischen Gliomzellen konfrontiert werden. Mithilfe dieser Plattform ist es erstmals möglich, die Umprogrammierung der Mikroglia bereits in frühen Tumorstadien zu beobachten. Dabei werden Veränderungen des Phänotyps und der räumlichen Verteilung ebenso erfasst wie die Signalachsen zwischen Immunzellen und Tumorzellen. Dies erfolgt mittels Einzelzell-RNA-Sequenzierung und räumlicher Transkriptomik. Ziel ist es, zentrale Mechanismen der pro-tumoralen Umprogrammierung zu identifizieren und damit neue therapeutische Angriffspunkte für eine der tödlichsten Krebserkrankungen im Kindesalter zu erschließen. 

Wenn Immunzellen zu Helfern des Tumors werden


MARIUS MADER, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf


Kinder mit hochgradigen Gliomen, den aggressivsten Hirntumoren im Kindesalter, haben trotz intensiver Therapie kaum Heilungschancen, da kurative Behandlungsoptionen bislang nicht existieren. Dr. Marius Mader vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf erforscht die Pathobiologie dieser Erkrankung, wobei sein besonderes Interesse dem Tumormikromilieu gilt, also der zellulären Umgebung, in der ein Tumor wächst und die seinen Charakter maßgeblich mitbestimmt.

Als Postdoc-Wissenschaftler an der Stanford University leistete Mader Pionierarbeit auf dem Gebiet des Mikroglia-Austauschs. Er zeigte, dass die residenten Immunzellen des Gehirns systematisch durch externe Spenderzellen ersetzt werden können. Dieses Konzept bildet heute das Fundament seiner Forschungsgruppe, denn Mikroglia spielen eine entscheidende Rolle in Hirntumoren: Sie werden durch Tumorzellen umprogrammiert und fördern so das Tumorwachstum, anstatt es zu bekämpfen. Wie diese Umprogrammierung stattfindet, ist jedoch bislang kaum verstanden, nicht zuletzt, weil verfügbare Patientenproben pädiatrischer Gliome rar sind und meist erst in fortgeschrittenen Krankheitsstadien entnommen werden.

Neue Angriffspunkte in frühen Tumorstadien

Das Projekt zielt darauf ab, diese Wissenslücke zu schließen. Mader und sein Team entwickeln ein humanisiertes Mausmodell, in das aus induzierten pluripotenten Stammzellen gewonnene menschliche Mikroglia eingebracht und anschließend mit pädiatrischen Gliomzellen konfrontiert werden. Mithilfe dieser Plattform ist es erstmals möglich, die Umprogrammierung der Mikroglia bereits in frühen Tumorstadien zu beobachten. Dabei werden Veränderungen des Phänotyps und der räumlichen Verteilung ebenso erfasst wie die Signalachsen zwischen Immunzellen und Tumorzellen. Dies erfolgt mittels Einzelzell-RNA-Sequenzierung und räumlicher Transkriptomik. Ziel ist es, zentrale Mechanismen der pro-tumoralen Umprogrammierung zu identifizieren und damit neue therapeutische Angriffspunkte für eine der tödlichsten Krebserkrankungen im Kindesalter zu erschließen. 

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Mann im Anzug liest Buch in einem Büroraum

Forschung hilft

Forschung hilft

Von der therapeutischen Hoffnungslosigkeit zur kurativen Behandlung: Ein Rückblick auf 50 Jahre Krebsforschung.


AUTOR Prof. Dr. Hermann Einsele und Dr. Christina Bock


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Von der therapeutischen Hoffnungslosigkeit zur kurativen Behandlung: Ein Rückblick auf 50 Jahre Krebsforschung.


AUTOR Prof. Dr. Hermann Einsele und Dr. Christina Bock


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Als bei Wilhelm Sanders Haushälterin Anfang der 1950er Jahre ein Multiples Myelom diagnostiziert wurde, waren die therapeutischen Möglichkeiten begrenzt. Die Frau starb innerhalb kurzer Zeit an der bösartigen Erkrankung. Krebs galt früher als Schicksal, dem man nicht entkommen konnte und über das man schwieg. Inzwischen hat sich das Bild grundlegend gewandelt. Die Krebsmedizin hat sich insbesondere in den vergangenen 50 Jahren enorm weiterentwickelt: Molekulare und zelluläre Prozesse werden zunehmend verstanden und können gezielt beeinflusst werden. Dank innovativer Therapien und frühzeitiger Diagnostik ist Krebs heute in vielen Fällen kein „Todesurteil“ mehr, sondern gilt als behandelbare, häufig sogar heilbare Erkrankung. Dies ist das Ergebnis jahrzehntelanger Forschung.
Einen entscheidenden Wendepunkt markierte der National Cancer Act in den USA – der Beginn des „War on Cancer“. 1971 unterzeichnete der damalige US-Präsident Richard Nixon das Gesetz, das umfangreiche Mittel für die molekularbiologische Krebsforschung bereitstellte und in den folgenden Jahren zu bedeutenden Fortschritten führte. Etwa zur gleichen Zeit entstanden in Deutschland die ersten klinischen Schwerpunktzentren für onkologische Versorgung und Forschung, getragen von Universitätskliniken und dem Deutschen Krebsforschungszentrum.
Seitdem wurden entscheidende Erkenntnisse über die molekularen Grundlagen von Krebs gewonnen: Forschende entdeckten Gene, die das Zellwachstum fördern oder hemmen, und identifizierten Signalwege, über die Zellen miteinander kommunizieren. Es zeigte sich, dass Erbgutveränderungen Krebs auslösen können, insbesondere Mutationen in Onkogenen und Tumorsuppressorgenen – also in Genen, die unter anderem die Zellteilung regulieren. Beispiele dafür sind das 1979 erstmals beschriebene TP53-Gen, eines der am häufigsten mutierten Gene in menschlichen Tumoren, oder das BCR-ABL-Fusionsgen, welches durch Umlagerung von genetischem Material (Translokation) entsteht und eine der ersten Zielstrukturen für die Präzisionsmedizin wurde.

Gezielt gegen Krebs dank Präzisionsmedizin

Mit dem wachsenden biologischen Verständnis entwickelte sich auch die Krebstherapie weiter. Während die Behandlung zuvor vor allem aus chirurgischen Eingriffen, Strahlentherapie und relativ unspezifischen Chemotherapien bestand, wurden in den 1980er Jahren die ersten zielgerichteten Therapien getestet. Diese Medikamente richten sich gegen Strukturen, die für das Tumorwachstum wichtig sind, etwa veränderte Eiweiße in Tumorzellen. So sollen gesunde Zellen weitgehend verschont bleiben. Ein Beispiel ist der monoklonale Antikörper Trastuzumab, der in der EU seit 2000 zur Behandlung von Brustkrebs zugelassen ist und HER2-Rezeptoren blockiert. Gleichzeitig werden heute bei vielen Krebsarten klassische Therapieformen wie Operation, Strahlen- und Chemotherapie gezielt kombiniert, um die Wirksamkeit in interdisziplinären Konzepten zu erhöhen. Die Behandlungen werden dann in Tumorboards, Tumorzentren oder onkologischen Spitzenzentren (Comprehensive Cancer Centers) unter Einbindung verschiedener Spezialistinnen und Spezialisten umgesetzt.
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Immuntherapie als ein weiterer wichtiger Bestandteil der Krebsbehandlung etabliert. Sie setzt an jenen Mechanismen an, die Krebszellen nutzen, um der Immunabwehr zu entgehen. Dabei kommen sogenannte Checkpoint-Inhibitoren zum Einsatz. Sie lösen die „Bremse“ von körpereigenen Abwehrzellen und aktivieren das Immunsystem. Ipilimumab war eines der ersten Medikamente dieser Art. Es wurde 2011 für die Therapie des fortgeschrittenen Melanoms zugelassen und führte bei einem Teil der vormals unheilbar Kranken zu langfristigem Überleben.
Die Krebsmedizin geht inzwischen noch einen Schritt weiter: Bei der CAR-T-Zelltherapie, einer personalisierten Form der Immuntherapie, werden Abwehrzellen als „lebende Medikamente“ genutzt. Patienteneigene T-Zellen werden aus dem Blut entnommen und im Labor genetisch verändert. Sie erhalten einen künstlichen Rezeptor – den chimären Antigenrezeptor (CAR) –, der Tumorzellen anhand spezifischer Oberflächenmerkmale erkennen kann. Die modifizierten Zellen werden anschließend in den Körper zurückgegeben, wo sie Krebszellen gezielt zerstören. Das Verfahren wurde 2018 in Europa für B-Zell-Neoplasien zugelassen und wird seitdem auch in Deutschland eingesetzt. Selbst für Krebserkrankte mit zuvor aussichtslosem Verlauf eröffnet es neue Perspektiven, etwa bei bestimmten Formen von Lymphomen oder Leukämien. Die CAR-T-Zelltherapie gilt als eine der innovativsten Strategien der modernen Krebsmedizin, ist jedoch technisch sehr aufwendig und wird deshalb nur in wenigen hoch spezialisierten Zentren durchgeführt.
Seit einiger Zeit treiben Forschende eine neue Form der personalisierten Immuntherapie voran: die therapeutische Krebsimpfung. Sie nutzt mRNA-Impfstoffe, die mit modernen Sequenzierungsverfahren entwickelt werden. Durch die Impfung wird das Immunsystem gezielt gegen Oberflächenstrukturen auf Tumorzellen aktiviert, sodass T-Zellen die Tumorzellen erkennen und bekämpfen können. Erste vielversprechende Ergebnisse zeigen sich vor allem für die Kombination einer Tumorimpfung mit anderen Immuntherapien, zum Beispiel mit Checkpoint-Inhibitoren beim malignen Melanom. Damit hat die Krebsmedizin eine neue Phase erreicht, in der Therapien zunehmend auf die molekularen Eigenschaften eines Tumors abgestimmt werden. 

Durch den medizinischen Fortschritt haben sich die Überlebenschancen von Krebserkrankten deutlich verbessert. Vor rund 50 Jahren war weniger als die Hälfte der Betroffenen fünf Jahre nach einer Krebsdiagnose noch am Leben. Derzeit beträgt die mittlere Fünf-Jahres-Überlebensrate in Deutschland 65 Prozent bei Frauen und 61 Prozent bei Männern. Bei bestimmten Krebsarten, etwa dem malignen Melanom oder Schilddrüsenkrebs, liegt der Wert deutlich höher. Diese Entwicklung ist nicht nur auf moderne Therapien zurückzuführen – auch Fortschritte in Diagnostik und Früherkennung spielen eine entscheidende Rolle.

Von der Biopsie zur Hightech-Diagnostik

In den vergangenen 50 Jahren hat sich die Krebsdiagnostik grundlegend geändert: Früher war sie auf einfache Bildgebung und Biopsien beschränkt, heute kommen modernste Technologien zum Einsatz. So lassen sich Tumoren nicht nur früher erkennen, sondern auch präziser charakterisieren. Das ermöglicht individuell zugeschnittene Therapien und verbessert die Prognose vieler Patientinnen und Patienten.

Die Computertomografie und die Magnetresonanztomografie, die in den 1970er Jahren eingeführt wurden, gehören noch immer zu den wichtigsten Untersuchungsmethoden in der Krebsmedizin. Ergänzt werden sie heute durch molekulare Verfahren, die genetische Mutationen und Tumor-Biomarker identifizieren. Tests auf Mutationen in Genen wie BRCA1/2 bei Brustkrebs ermöglichen nicht nur eine genauere Risikoeinschätzung, sondern liefern auch Hinweise für die Auswahl gezielter Therapien. Die Liquid Biopsy, die derzeit in Studien erprobt wird, erlaubt den Nachweis zirkulierender Tumor-DNA im Blut oder in anderen Körperflüssigkeiten und kann zur Überwachung einer Krebserkrankung genutzt werden. Außerdem kommt zunehmend Künstliche Intelligenz zum Einsatz, etwa bei der Auswertung medizinischer Bilddaten, der Zusammenführung riesiger Mengen an klinischen Labordaten oder der Vorhersage von Krankheitsrisiken. 

Krebs vorbeugen und früh erkennen

Neben Therapie und Diagnostik rückt auch die Prävention immer stärker in den Fokus. Die epidemiologische Forschung der vergangenen Jahre zeigt: Beim persönlichen Krebsrisiko haben wir vieles selbst in der Hand. So hängen bestimmte Krebsarten mit Risikofaktoren wie Rauchen, übermäßigem Alkoholkonsum, UV-Strahlung oder Übergewicht zusammen. Schätzungsweise 38 Prozent aller neu diagnostizierten Krebsfälle sind einer Studie zufolge auf 30 beeinflussbare Risikofaktoren zurückzuführen und könnten entsprechend verhindert werden. Neben Lebensstiländerungen können Impfungen gegen krebsauslösende Viren effektiv zur Risikoreduktion beitragen. 2006 wurde beispielsweise in Deutschland der erste Impfstoff gegen das humane Papillomvirus (HPV) zugelassen. Heute zeigt sich: Die HPV-Impfung kann Gebärmutterhalskrebs und dessen Vorstufen wirksam vorbeugen. 

Weil sich Krebs nicht vollständig verhindern lässt, ist die Früherkennung besonders wichtig. Screening-Maßnahmen ermöglichen es, Tumoren in einem frühen, oft noch gut behandelbaren Stadium zu entdecken. In Deutschland zählen dazu vor allem das 2005 flächendeckend eingeführte Mammografie-Programm zur Früherkennung von Brustkrebs sowie das Darmkrebs-Screening, etwa mittels Koloskopie. Studien bestätigen, dass Menschen, die regelmäßig an diesen Programmen teilnehmen, ein deutlich geringeres Risiko haben, an Brust- oder Darmkrebs zu sterben.

Freiräume durch Forschungs­förderung

Wie wäre die Krebserkrankung bei Sanders Haushälterin wohl heute verlaufen? Noch 2004 betrug die mittlere Überlebenszeit bei einer Myelomdiagnose nur etwa vier Jahre. Seitdem ist die Therapie deutlich wirksamer geworden: Mehr als 15 neue Medikamente wurden zur Behandlung des multiplen Myeloms entwickelt; die Kombination von Präzisionsmedizin, Immuntherapie und Stammzelltherapie hat die Behandlung kontinuierlich verbessert. Mit der aktuellen Erstlinientherapie kann bei Myelompatientinnen und -patienten ein krankheitsfreies Überleben von mehr als 17 Jahren und bei vielen Betroffenen eine Heilung erzielt werden. Neue Immuntherapien wie T-Zell-aktivierende Antikörper oder CAR-T-Zellen ermöglichen sogar bei einem Rückfall noch kurative Ansätze. Sanders Haushälterin hätte heute also gute Überlebenschancen.
Diese Fortschritte sind kein Zufallsprodukt einzelner Durchbrüche, sondern das Ergebnis kontinuierlicher Forschung. Dennoch steht die Krebsmedizin weiterhin vor Herausforderungen: Tumorzellen können sich genetisch verändern und dadurch auf die Behandlung nicht mehr ansprechen. Auch die hohe genetische Vielfalt innerhalb eines Tumors erschwert oftmals die Therapie. Nur durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse lassen sich Hürden wie diese überwinden.
Eine langfristig angelegte, unabhängige Forschungsförderung treibt die notwendige Grundlagen- und Therapieforschung voran und schafft dafür wissenschaftliche Freiräume. Hier kommt gemeinnützigen Förderinstitutionen wie der Wilhelm Sander-Stiftung eine Schlüsselrolle zu. Die finanzielle Unterstützung ermöglicht Forschung jenseits kurzfristiger Logiken, sodass sich auch künftig neue Therapieoptionen eröffnen können – für das Multiple Myelom ebenso wie für andere Krebserkrankungen. 

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Forschung in 280 Zeichen

Forschung
in 280 zeichen

Wilhelm Sander Stiftung

@wilhelm

Was wäre, wenn Wissenschaft in 280 Zeichen passen würde? 

Natürlich tut sie das nicht – aber der Versuch lohnt sich. In dieser Rubrik haben wir alle im Jahr 2025 bewilligten Projekte in 280 Zeichen zusammengefasst: locker, direkt, im Stil des alten Twitters. Entstanden sind keine Abstracts, sondern Moment­aufnahmen. Ein Querschnitt durch die Krebsforschung unserer Zeit – 60 Projekte, verdichtet auf das Wesentliche. 

Forschung
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Wilhelm Sander Stiftung

@wilhelm

Was wäre, wenn Wissenschaft in 280 Zeichen passen würde? 

Natürlich tut sie das nicht – aber der Versuch lohnt sich. In dieser Rubrik haben wir alle im Jahr 2025 bewilligten Projekte in 280 Zeichen zusammengefasst: locker, direkt, im Stil des alten Twitters. Entstanden sind keine Abstracts, sondern Moment­aufnahmen. Ein Querschnitt durch die Krebsforschung unserer Zeit – 60 Projekte, verdichtet auf das Wesentliche. 

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Dr. Anna Brichkina  

@Philipps-Universität Marburg

Tumorassoziierte Makrophagen unterdrücken das Immunsystem und schirmen Lungentumoren ab. Wir entwickeln verkapselte Wirkstoffe, die gezielt diese immunsuppressiven Zellen adressieren – und so den Weg für effektivere Immuntherapien freimachen.

#Lungenkrebs

PD Dr. Katrin Böttcher

@Universitätsklinikum Tübingen

Nicht-alkoholische Fettlebererkrankung erhöht das Leberkrebsrisiko erheblich. Wir untersuchen, wie spezifische Fettsäuren die antitumorale Funktion von MAIT-Zellen beeinträchtigen – und damit das Immunsystem des metabolisch belasteten Organs ausbremsen.

#Leberkrebs

Dr. Martina Lutz

@Eberhard Karls Universität Tübingen

PD-L1-Checkpoint-Inhibitoren wirken systemisch – mit entsprechendem Nebenwirkungsprofil. Wir entwickeln bispezifische Antikörper, die die PD-L1-Blockade auf das Tumormikro­milieu begrenzen: wirksamere Immuntherapie mit reduziertem Kollateralschaden.

#Immunonkologie

Dr. Jan Böttcher 

@Eberhard Karls Universität Tübingen

NK-Zellen erkennen Tumorzellen direkt – doch das Tumormilieu blockiert sie über PGE2-EP2/EP4-Signaling. Wir hemmen diesen Dysfunktionsmechanismus, um adoptive NK-Zell-Therapien wieder schlagfähig zu machen. 

#Immuntherapie

Prof. Sonia Tugues Solsona 

@Universität Zürich

Die Leber ist das bevorzugte Ziel von Darmkrebsmetastasen. Wir suchen nach Gedächtnis-T-Zellen, die Tumoren langfristig im Visier behalten – als prognostische Marker und mögliche Basis für neue Immuntherapien bei kolorektalen Lebermetastasen. 

#Metastasierung

Prof. Dr. Thomas Dobner

@Leibniz-Institut für Virologie Hamburg

Humane Adenoviren können Zellen transformieren – durch das Onkoprotein E1B-55K, das zelluläre Transkriptionsfaktoren wie TEAD dereguliert. Wir entschlüsseln diesen Mechanis­mus auf molekularer Ebene und suchen nach neuen Angriffspunkten für Krebstherapien.

#Virotherapie

Prof. Dr. Duncan Odom

@Deutsches Krebsforschungs­zentrum

Männer erkranken doppelt so häufig an Leberkrebs wie Frauen – eine Tatsache mit kaum verstandener Biologie dahinter. Wir untersuchen den Einfluss von Geschlechtshormonen und -chromosomen auf das hepatozelluläre Karzinom, im Mausmodell und am Menschen.

#Leberkrebs

Prof. Dr. Kai Breuhahn 

@Universitätsklinikum Heidelberg

YAP/TAZ-TEAD-Inhibitoren sind vielversprechend beim Leberkrebs – doch Tumorzellen reorganisieren ihre Transkriptionsfaktorkomplexe und umgehen die Therapie. Wir analysieren diese Resistenzmechanismen und suchen nach wirksameren Kombinationsstrategien.

#Leberkrebs

Dr. Wilhelm Palm 

@Deutsches Krebsforschungszentrum­

Bauchspeicheldrüsenkrebs widersetzt sich fast jeder Therapie. Wir haben entdeckt, dass tRNA-Wobble-Enzyme Tumorzellen gegen den Wachstumshemmer mTORC1 resistent machen – und untersuchen, ob dieser Mechanismus therapeutisch angreifbar ist. 

#Bauchspeicheldrüsenkrebs

PD Dr. Bülent Polat

@Universitätsklinikum Würzburg

Beim Rektumkarzinom soll die Strah­lentherapie noch schlagkräftiger werden. Durch Kombination mit HDM2- und BH3-Inhibitoren wollen wir gezielt den p53-Signalweg aktivieren und Tumorzellen mit intaktem p53 verlässlich in die Apoptose treiben.

#Strahlentherapie

Dr. Linda Hammerich

@Charité – Universitätsmedizin Berlin

Zwei Drittel der Patient:innen mit gastroenteropankreatischen neuroendokrinen Tumoren sprechen nicht auf die Peptidrezeptor-Radionuklid-Therapie an. Wir untersuchen, wie diese Behandlung das Immunsystem moduliert – und entwickeln daraus neue Biomarker.

#Endokrinologie

David Ghasemi

@Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

SHH-aktivierte Medulloblastome sind molekular ähnlich – und doch sind die Verläufe grundverschieden: heilbar hier, fatal dort. Wir analysieren Differenzierungsblockaden in den aggressiven Fällen, um die Ursache dieser Prognoseunterschiede zu erklären.

#Neuroonkologie

PD Dr. Heiko Bruns 

@Universitätsklinikum Erlangen

Das Multiple Myelom bleibt für viele Patient:innen trotz moderner The­rapien unheilbar. Wir entschlüsseln, wie tumorassoziierte Makrophagen die Antikörper-vermittelte Phagozy-tose sabotieren – und suchen nach Strategien, diese Blockade aufzuheben. 

#MultipleMyelom

Prof. Dr. Oliver Jäkel 

@Deutsches Krebsforschungszentrum

Strahlentherapie bei Lungenkrebs birgt das Risiko einer Pneumotoxizität. Wir trainieren Convolutional Neural Networks darauf, individuelle Risikofaktoren zu erkennen – und wollen damit Toxizität präziser vor-
hersagen als bisherige klinische Modelle es können. 

#Lungenkrebs

PD Dr. Anna-Luisa Luger 

@Universitätsklinikum Frankfurt

Zielgerichtete Therapien gegen RTK-PI3K-AKT-Signaling versagen beim Glioblastom klinisch, obwohl die Ziel-
strukturen vorhanden sind. Wir testen eine Bibliothek spezifischer Kinaseinhibitoren an patienten­eigenen Tumororganoiden im Tumormikromilieu.

#Glioblastom

Dr. Dr. Varun Venkataramani 

@Universitätsklinikum Heidelberg

Glioblastomzellen vernetzen sich über Gap Junctions mit Oligoden­dro­zyten – und nutzen diese Verbindungen für Therapieresistenz. Wir untersuchen diese interzelluläre Kommunikation als bislang wenig beachteten therapeutischen Angriffspunkt.

#Glioblastom

PD Dr. Iurii Tolkach 

@Universitätsklinikum Köln

Das Grading von Prostatakarzinomen ist heute noch subjektiv und feh­leranfällig. Wir entwickeln KI-basierte
Analysetools für digitale Histolo­giepräparate, die eine objektivere Einschätzung der Tumoraggres-
sivität und des klinischen Verlaufs ermöglichen.

#Prostatakrebs

Prof. Dr. Kyeong-Hee Lee 

@Medizinische Hochschule Hannover

Eine gestörte Mikrobiota ist ein zen­traler Faktor bei entzündungsas­so­ziiertem Kolorektalkrebs. Wir
identifizieren IgA-Antikörper angeborener B-Zell-Subpopulationen, die das Darmmikrobiom modulieren – und
evaluieren ihr therapeutisches Potenzial bei CED-Krebs. 

#Kolorektalkrebs

PD Dr. Sebastian Ziegelmayer

@Technische Universität München

Dickdarmwandverdickungen im CT sind häufig – ihre Ursache oft unklar. Unser Multi-Task-Deep-Lear­ning-Framework erkennt und charakteri­siert diese Befunde automatisiert und hilft, maligne von benignen Pa­thologien zuverlässiger zu unterscheiden. 

#Radiologie

Prof. Dr. Günter Niegisch 

@Universitätsklinikum Düsseldorf

PARP-Inhibitoren wirken beim Uro-thelkarzinom bislang kaum. Wir kombinieren sie mit BET-Inhibitoren, um eine BRCAness-ähnliche DNA-Reparaturdefizienz in Tumorzellen zu erzeugen – und sie so erst für diese Therapieklasse empfänglich zu machen. 

#Urologie

Prof. Dr. Lothar Dieterich

@Universitätsmedizin Mannheim

Tumore senden extrazelluläre Vesikel in drainierende Lymphknoten – und bereiten dort die prä-metastatische Nische vor. Wir untersuchen am Melanom, wie diese Vesikel lymphatische Endothelzellen und Makrophagen zur Immunevasion umprogrammieren.

#Lymphknoten

Prof. Dr. Oliver Brüstle 

@Universitätsklinikum Bonn

ZFTA-RELA-Fusionsependymome sind selten, prognostisch schlecht und kaum modellierbar. Wir etablieren das erste humane iPSC-basierte Krankheitsmodell und nutzen es für einen Hochdurchsatz-Wirkstoffscreen
auf der Suche nach neuen Therapieoptionen.

#Neuroonkologie

Prof. Dr. Sabine Werner 

@ETH Zürich

Tumorzellen transferieren Mitochondrien in krebsassoziierte Fibroblasten – und verändern damit das Tumormikromilieu des Hautkrebses. Wir entschlüsseln die Mechanismen dieses interzellulären Transfers
und prüfen, ob er therapeutisch blo-ckierbar ist.

#Hautkrebs

Prof. Dr. Ferenc Krausz

@Ludwig-Maximilians-Universität München

Ein Bluttest, der Krebs in mehreren Organen gleichzeitig aufspürt – noch bevor Symptome auftreten? Mit Infrarot-Lasertechnologie analysieren wir molekulare Finger-ab­drücke im Blutplasma. Das Ziel: Krebsfrüherkennung per Hochdurchsatz-Diagnostik.

#Früherkennung

Dr. Henry Fechner

@Technische Universität Berlin

Das onkolytische Coxsackievirus B3 befällt und zerstört Darmkrebs­zellen, gesundes Gewebe lässt es in
Ruhe. Wir entwickeln synthetische Virus-RNA einer optimierten Variante, um diesen Immuntherapieansatz
für die klinische Anwendung voranzubringen.

#Virotherapie

PD Dr. Katja Breitkopf-Heinlein 

@Universität Heidelberg

Sarkome machen nur 1 % aller adulten Krebserkrankungen aus – bei Kindern sind sie der zweithäufigste solide Tumor. Wir untersuchen die Rolle von BMP-9 in Entstehung und Progression von Sarkomen und prüfen ihr Potenzial als therapeutisches Ziel. 

#Kinderonkologie

Dr. Bodo Linz

@Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Helicobacter pylori gilt als Auslöser von Magenkrebs – doch was geschieht danach im Tumorstroma? Wir untersuchen, wie Mikrobiota und Immunzellen in verschiedenen Histotypen des Magenadenokarzinoms interagieren und die Tumorprogression beeinflussen.

#Magenkrebs

Dr. Wibke Bayer 

@Universitätsklinikum Essen

Nicht alle Makrophagen sind gleich – und welche Subpopulation im Gewebe dominiert, beeinflusst maßgeblich, wie gut Leukämieviren unter Kontrolle gehalten werden. Wir untersuchen diese Populationsdy­namik und ihre Auswirkungen auf die adaptive Immunantwort.

#Leukämie

PD Dr. Lars Schiffmann 

@Universitätsklinikum Köln

Tumorblutgefäße brauchen für Wachstum und Verzweigung erhebliche Mengen Energie. Wir zeigen, dass dieser metabolische Bedarf durch mitochondriale Aktivität gedeckt wird – und prüfen, ob dieser Energiestoffwechsel als Therapie­-ziel nutzbar ist.

#Stoffwechsel

Prof. Dr. Anna Dubrovska  

@Helmholtz-Zentrum Dresden-
Rossendorf

HPV-negative Kopf-Hals-Tumoren zeigen erhöhte Radiochemoresistenz
und kaum Immunantwort. Wir untersuchen, wie CD98hc den Tumor­zell­metabolismus umprogrammiert und
die Antitumor-Immunität hemmt – und ob diese Achse therapeutisch vulnerabel ist.

#Kopf-Hals-Tumoren

Dr. André Pfob 

@Universitätsklinikum Heidelberg

Unklare Brustbefunde führen oft zu unnötigen Biopsien. Wir entwickeln ein intelligentes multimodales Elastographie-System, das Gewebesteifigkeit mit KI-Analyse kombiniert – für präzisere Differenzierung und weniger invasive Abklärungen. 

#KIundMedizin 

Prof. Dr. Mark Rubin 

@Universität Bern

Antihormontherapie beim Prostatakarzinom treibt Tumorzellen in die Linienplastizität – sie wechseln ihre Identität, um der Therapie zu entgehen. Wir untersuchen Chromatin-Remodeling-Mechanismen, die diese Plastizität steuern, als neue Zielstrukturen.

#Prostatakrebs

Prof. Dr. Dr. Roland Ullrich 

@Universitätsklinikum Köln

Kleinzelliger Lungenkrebs metastasiert früh und aggressiv. In unseren Analysen verlieren Metastasen MHC-
I – ein Hinweis auf aktive Immun­evasion. Wir untersuchen die Mechanismen dahinter und suchen nach Ansatzpunkten für Immuntherapiestrategien.

#Lungenkrebs

Prof. Dr. Georg Lenz 

@Universität Münster

Ein Drittel der Patienten mit diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom spricht nicht auf Standardtherapie an. Wir untersuchen die Rolle des AP-1-Faktors BATF in der molekularen Pathogenese verschiedener DLBCL-Subtypen als potenzielles therapeutisches Ziel.

#Hämatologie

PD Dr. Lisa Adams 

@Technische Universität München

CT, MRT und Radiologiebefunde in einem einzigen KI-Modell vereint: Wir entwickeln ein multimodales Foundation Model, das durch kon-trastives Lernen generalisierbare Tumorrepräsentationen erstellt – organübergreifend und ohne erneutes Training.

#KIundMedizin

Prof. Dr. Christian Karger 

@Deutsches Krebsforschungs­zentrum

Kohlenstoffionen, Protonen oder Photonen: Welche Strahlenart wirkt wie auf Prostatatumorzellen? Wir führen eine umfassende Proteomanalyse an 220 Gewebeproben durch und entschlüsseln strahlenartspezifische molekulare Signatur- und Resistenzmechanismen.

#Strahlentheraphie

Prof. Dr. Dr. Christoph Schell

@Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Das Tumormikromilieu beim muskel­invasiven Blasenkarzinom entscheidet über das Ansprechen auf Immuntherapie. Wir erstellen eine molekulare Landkarte des tumorassoziierten Matrisomes – um vorherzusagen, wer von Checkpoint-Inhibitoren profitiert

#Urologie

Dr. Anne-Marlen Ada  

@Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Chromosomale Instabilität tritt in 60–80 % aller Karzinome auf – beim Magenkarzinom besonders ausgeprägt. Wir modellieren CIN im Labor, um die dadurch entstehenden Wachstumsvorteile, Immunevasion und Metastasierungspotenziale therapeutisch anzugehen.

#Gastroenterologie

PD Dr. Maike Buchner

@Technische Universität München

Bei chronischer lymphatischer Leu­kämie scheitern Checkpoint-Inhibitoren und CAR-T-Zellen, die in anderen Lymphomen gut wirken. Wir untersuchen DUSP1/6-Hemmung als Strategie, die tumoreigene Immunsuppression in der CLL zu durchbrechen.

#Hämatologie

Pietro Crivello, PhD

@Universitätsklinikum Essen

T-Zell-Alloreaktivität gegen mis-matched HLA ist entscheidend für die Leukämiekontrolle nach
Stammzelltransplantation. Wir nutzen Divergenzen im HLA-Klasse-II-Immunopeptidom, um T-Zellen spezifisch gegen Leukämiezellen zu aktivieren.

#Hämatologie

Dr. Ilona Hagelstein

@Universitätsklinikum Tübingen

T-Zellen gegen Lymphome brauchen zwei Aktivierungssignale – TCR/
CD3 und Kostimulation über CD28. Wir entwickeln trispezifische Antikörper, die beide Signale tumorres­-
trin­giert modulieren: präzise Immuntherapie statt systemischer T-Zell-Aktivierung.

#Immuntherapie

Dr. Angela Riedel 

@Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Rezidive sind beim Hormonrezeptor-positiven Brustkrebs ein klinisch zentrales Problem. Wir nutzen patien­teneigene Tumororganoide, um die Wirksamkeit von CDK4/6-Inhibi­toren in frühen Stadien zu bestimmen – für personalisiertere Therapieentschei-dungen.

 #Brustkrebs

Dr. Dr. Raphael Johannes Morscher 

@Universität Zürich

Neuroblastome entstehen durch einen Block in der Zelldifferenzierung – verbunden mit einem entgleisten Lipidmetabolismus. Wir greifen ge-zielt in diesen Fettstoffwechsel ein, um Krebszellen zur Differenzierung zu zwingen und ihr Wachstum zu stoppen.

#Kinderonkologie

Prof. Dr. Volker Ellenrieder  

@ Universitätsmedizin Göttingen

KRAS ist in 90 % der Pankreaskarzi­nome mutiert – und galt lange als nicht zielbar. Neue mutationsspezi­fische Inhibitoren sind da, doch Tumorzellen passen ihren Metabolismus an. Wir entschlüsseln diese trans­kriptionsinduzierten Resistenzadaptationen.

#Bauchspeicheldrüsenkrebs

Prof. Dr. Claudia Günther  

@Universitätsklinikum Erlangen

Genotoxische E.-coli-Stämme mit pks-Operon sind mit der Entstehung von Kolorektalkrebs assoziiert. Wir untersuchen, wie extrazelluläre Vesi­kel dieser Bakterien Darmepithelzellen schädigen – und welche Rolle das Mikrobiom in der Karzinogenese spielt.

#Darmkrebs

Prof. Martin Müller 

@Deutsches Krebsforschungs­zentrum

HPV-Impfstoffe auf Basis von Virus-like Particles bieten nur begrenz-ten Kreuzschutz. Wir kombinieren Strukturbiologie mit KI, um maßgeschneiderte Proteinimpfstoffe zu designen, die breiter schützen und kostengünstiger produzierbar sind. 

#Impfstoff

Prof. Dr. Dr. Ghazaleh Tabatabai  

@Universität Tübingen

KRAS ist in 90 % der Pankreaskarzi­nome mutiert – und galt lange als nicht zielbar. Neue mutationsspezi­fische Inhibitoren sind da, doch Tumorzellen passen ihren Metabolismus an. Wir entschlüsseln diese trans­kriptionsinduzierten Resistenzadaptationen.

#Neuroonkologie

Prof. Dr. Barbara Walch-Rückheim

@Universitätsklinikum Augsburg

Krebstherapien beeinflussen das Im­munsystem nachhaltig – nicht immer zum Vorteil. Erhöhte Th17-Spiegel nach Behandlung sind mit Rezidiven bei Zervix- und Vulvakarzinomen assoziiert. Wir charakterisieren die Rolle von Succinat in diesem Prozess. 

#Gebärmutterhalskrebs

Dr. Elisabeth Meedt

@Universitätsklinikum Regensburg

Antibiotika nach Stammzelltransplantation – Fluch oder Segen? Das ist noch offen. Wir untersuchen Calprotectin als Indikator für bakterielle Translokation und Mikrobiomveränderungen – für eine rationalere Entscheidungsgrundlage beim Antibiotikaeinsatz. 

#Hämatologie

Prof. Dr. Raphael Reuten 

@Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Die Mechanik der Basalmembran beeinflusst, wie Lungenadenokarzi­nome entstehen und fortschreiten – ein unterschätzter Faktor. Wir untersuchen biomechanische Eigenschaften der extrazellulären Matrix als neue therapeutische Zielstruktur beim Lungenkrebs.

#Lungenkrebs

Prof. Dr. Volker Dötsch

@Johann Wolfgang Goethe-Uni­versität Frankfurt am Main

p53 ist in jedem zweiten Tumor mutiert – und galt lange als therapeutisch nicht angehbar. Wir entwickeln maßgeschneiderte DARPin-Proteine, die strukturelle Hotspot-Mutationen im p53-DNA-Bindedomäne korri­gieren und den Tumorsuppressor re­aktivieren.

#Molekularbiologie

Dr. Nadine Bayerl 

@Universitätsklinikum Erlangen

Prostatakrebs-Prognose erfordert die Integration vieler Datenquellen. Wir entwickeln einen KI-gestützten Chatbot, der Bildgebungsbiomarker, klinische Parameter und Körperzusammensetzung multimodal verknüpft – für personalisierte Risikoeinschätzung.

#Prostatakrebs

Dr. Isabel Poschke

@Deutsches Krebsforschungs­zentrum

Gliome sprechen kaum auf Immun-therapien an – zu wenig Anti­gene, zu starke Immunsuppression. Wir entwickeln pan-HLA-reaktive T-Zell-Rezeptoren für die adoptive T-Zell-Therapie, die unabhängig vom HLA-Typ der Patienten eingesetzt werden können.

#Neuroonkologie

Prof. Dr. Florian Heidel

@Medizinische Hochschule Hannover

KAT6A-Fusionsonkogene betreffen epi-genetische Regulatoren und treiben seltene, hochaggressive Leukämien an. Wir untersuchen erstmals die Leukämogenese dieser Entitäten und prüfen, ob gezielte Hemmung einen klinisch relevanten Therapieansatz eröffnet. 

#Hämatologie

Dr. Marius Mader 

@Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Pädiatrische High-Grade-Gliome sindkaum behandelbar – das Tumor-mikromilieu spielt eine entscheidende Rolle. Wir modellieren in vivo, wie Mikrogliazellen durch Tumorzellen umprogrammiert werden und den Tumor statt das Immunsystem unterstützen.

#Kinderonkologie

Prof. Dr. Thomas Rösch 

@Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Die operative Entfernung von Speise­röhrenfrühkarzinomen ist risikoreich – organerhaltende Endoskopie eine attraktive Alternative. Wir analysieren multizentrisch Risikofaktoren für Rezidive, um die Selektionskriterien für diese Therapie zu schärfen.

#Gastroenterologie

Dr. Fung-Yi Cheung

@Universitätsklinikum Essen

Das duktale Adenokarzinom des Pankreas ist trotz Chemotherapie kaum kontrollierbar – desmoplastisches Stroma und Progranulin fördern Resistenz. Wir untersuchen Progranulin als Zielstruktur, um das Tumormikromilieu für Chemotherapie zugänglicher zu machen.

#Bauchspeicheldrüsenkrebs

PD Dr. Hanna-Mari Baldauf 

@Ludwig-Maximilians-Universität München

SAMHD1 schützt AML-Zellen vor dem Chemotherapeutikum Ara-C. Wir setzen neuartige Vpx-Virus-like
Particles ein, um SAMHD1 gezielt zu degradieren – und testen diesen Ansatz nicht nur bei Leukämien, son-
dern auch bei soliden Tumoren.

#Hämatologie 

Dr. Tamas Rasko 

@Universitätsklinikum Würzburg

CAR-T-Zelltherapien wirken – doch die zufällige Genomintegration birgt Risiken. Wir entwickeln ein squenz-spezifisches Sleeping-Beauty-Trans-posonsystem für die gezielte, sichere Integration von CAR-Genen:
genomsichere Zelltherapie der nächsten Generation.

#Zelltherapie

Prof. Dr. Ian Frew  

@Albert-Ludwigs-Universität
Freiburg

Klarzellige Nierenzellkarzinome bleiben im metastasierten Stadium häufig unheilbar. Wir haben ident-ifi­ziert, dass Tumorzellen aberrante tubuläre Reparaturmechanismennutz­en – und prüfen, ob diese Schwachstelle für neue Therapieansätze nutzbar ist.

#Nierenkrebs

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3 Fragen an - Ehemalige Geförderte über ihre Forschungsprojekte

Die Förderung hat Räume geöffnet, die sonst verschlossen geblieben wären

Vier Forschende, vier Projekte, drei Fragen und drei Antworten: Sonia Tugues Solsona, Helmut Salih, Juliane Walz und Robert Zeiser wurden oder werden von der Wilhelm Sander-Stiftung gefördert – und blicken auf ihre Arbeit, ihre Erkenntnisse und die Frage zurück, was Stiftungsförderung im Forschungsalltag eigentlich bedeutet.

Die Förderung hat Räume geöffnet, die sonst verschlossen geblieben wären

Vier Forschende, vier Projekte, drei Fragen und drei Antworten: Sonia Tugues Solsona, Helmut Salih, Juliane Walz und Robert Zeiser wurden oder werden von der Wilhelm Sander-Stiftung gefördert – und blicken auf ihre Arbeit, ihre Erkenntnisse und die Frage zurück, was Stiftungsförderung im Forschungsalltag eigentlich bedeutet.

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Welches wissenschaftliche Problem adressiert Ihr Projekt und warum lohnt es sich, genau hier anzusetzen?


Portrait

Unser Projekt befasst sich mit Darmkrebs, der sich auf die Leber ausgebreitet hat – einem häufigen und oft tödlichen Krankheitsstadium. Eine Operation ist die einzige mögliche Heilungsmethode, aber die meisten Patienten kommen dafür zunächst nicht in Frage, weil die Tumoren zu groß oder zu weit ausgebreitet sind. Chemotherapie soll die Metastasen verkleinern, doch die Antworten darauf sind sehr unterschiedlich – und die Gründe dafür sind noch weitgehend unklar. Durch die Untersuchung von Immunzellen, insbeson­dere T-Zellen, innerhalb der Metastasen wollen wir Muster identifizieren, die das Therapieansprechen vorhersagen, und neue Angriffspunkte für verbes­serte Behandlungen aufdecken.

Portrait

Unser Projekt adressiert die Behandlung der Akuten Myeloischen Leukämie (AML), einer besonders aggressiven Form von Blutkrebs mit schlechter Prognose. Wir entwickeln modifizierte Immunzy­tokine mit zielzell-restringierter Wirkung. Das Kernproblem bisheriger Immuntherapien mit Interleukin-15 (IL-15) ist deren unspezifische Wirkung: Sie verursacht schwere Nebenwirkungen und verhindert eine ausreichend hohe, wirksame Dosierung. Unser neu entwickelter Ansatz setzt genau hier an: Er e­rmöglicht eine gezielte Aktivierung des Immunsystems direkt an der Krebszelle – und könnte die potente Wirkung von IL-15 erstmals nutzbar machen, ohne den Körper systemisch zu belasten.

Portrait

Im Zentrum meiner Forschung steht die Frage, welche Strukturen auf Tumorzellen für das Immunsystem überhaupt sichtbar sind und sich gezielt für Immuntherapien nutzen lassen. Meine Arbeiten zur Immunopeptidomanalyse haben zur Etablierung einer weltweit einzigartigen HLA-Peptiddatenbank geführt, die eine schnelle und kosteneffiziente Entwicklung personalisierter Krebsimpfstoffe ermöglicht. Das von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderte Projekt zielte auf die Charakterisierung des Immunopeptidoms der Chronisch Myeloischen Leukämie (CML) als Grundlage für peptid­basierte Immuntherapiekonzepte – einen nebenwirkungsarmen Ansatz zur Induktion gezielter T-Zell-Antworten gegen Leukämiezellen.

Portrait

Die Förderung der Wilhelm Sander-Stiftung hat ganz wesentlich dazu beigetragen, unsere präklinischen Arbeiten zur GVHD zu finanzieren und voranzubringen – Grundlagenar­beit, die letztlich den Weg in die Klinik und bis
zur Zulassung bereitet hat.

Welche Erkenntnisse oder Fortschritte zeichnen sich bislang ab?


Portrait

Anhand von Patientenpro­ben mit kolorektaler Lebermetastasierung haben wir die T-Zell-Populationen kartiert, die die Reak­tion auf eine neoadjuvante Therapie mitbestimmen. Wir erweitern diese Studien nun auf weitere Patientengruppen und setzen maschinelles Lernen ein, um die Vorhersage des individuellen Therapie­ansprechens zu verbessern. Zudem haben wir neue potenzielle Zielstrukturen für die Immuntherapie identifiziert, die wir aktu­ell in Kombination mit Chemotherapie erproben, um die Behandlungen wirksamer zu machen.

Portrait

Bislang wurde ein neuar­tiges Immunzytokin (MIC-Molekül) entwickelt und in Labor- sowie Tiermodellen erfolgreich getestet. Die präklinischen Ergebnisse zeigen eine deutlich stärkere und ge­zieltere Aktivierung der Immunzellen gegen Leukämiezellen bei gleichzeitig drastisch reduzierten Nebenwirkungen. In Tier-modellen führte die Behandlung zu einem verlängerten Überleben ohne Anzeichen von Toxi­zität – ein Meilenstein, der die Grundlage für die nun folgenden klinischen Studien am Menschen schafft.

Portrait

In enger Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen der Universitätskliniken Aachen und Leipzig gelang es uns, neue hochfrequent präsentierte und leukämie-exklusive Antigene zu identifizieren. Sowohl bei gesunden Spen­dern als auch bei CML-
Patientinnen und -Patienten konnten multifunktionale und zytotoxisch-aktive T-Zellantworten gegen diese Antigene nachgewiesen werden. Interessanterweise zeigten Patienten unter Tyrosinkinaseinhibitor-The­rapie eine abgeschwächte CD8+-T-Zell-Antwort – ein Befund mit direkten Konsequenzen für die Kombinierbarkeit von Therapien. In einer weiteren Förderperiode wurde die Antigenlandschaft zusätzlicher myeloproliferativer Erkrankungen sys­tematisch untersucht.

Portrait

Aus unseren Arbeiten sind neue Therapien für GVHD hervorgegangen, die aufgrund erfolgreicher klinischer Studien bis zur Marktzulassung gelangt sind – ein in der akademischen Forschung seltener, aber umso bedeutsamerer Schritt.

Wie hat die Förderung der Wilhelm Sander-Stiftung dazu beigetragen, dieses Projekt voranzubringen oder abzusichern?


Portrait

Die Förderung durch die Wilhelm Sander-Stiftung war für dieses Projekt von entscheidender Bedeutung. Sie ermöglichte es, eine Doktorandin zu finanzieren, die sich vollständig dieser Arbeit widmen konnte, und stellte die notwendigen Ressourcen und Verbrauchs­materialien für die ex­perimentelle Arbeit bereit. Wir sind sehr dankbar für die kontinuierliche Unterstützung der Stiftung, die maßgeblich zum Fortschritt des Projekts beigetragen hat.

Portrait

Die Wilhelm Sander-Stiftung hat das Projekt über sechs Jahre mit insgesamt 528.000 Euro gefördert. Diese lang­fristige Unterstützung war entscheidend, um die Entwicklung des innovativen Immunzytokins von der Konzeption bis zur erfolgreichen präklinischen Validierung zu ermöglichen und abzusichern – ein Forschungsweg, der sich nicht in kurzen Projektzyklen abbilden lässt.

Portrait

Die Förderung hat erstmals ermöglicht, die Anti­genlandschaft der CML sowie weiterer myeloproliferativer Er­krankungen systematisch zu charakterisieren und neue Zielstrukturen für Immuntherapien zu identifizieren. Darüber hinaus hat sie zwei jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern den Einstieg in die translationale Forschung im Rahmen ihrer Promotion ermöglicht – beide leiten inzwischen eigene Nachwuchsgruppen und haben erfolgreich Drittmittel eingeworben.

Portrait

Aus unseren Arbeiten sind neue Therapien für GVHD hervorgegangen, die aufgrund erfolgreicher klinischer Studien bis zur Marktzulassung gelangt sind – ein in der akademischen Forschung seltener, aber umso bedeutsamerer Schritt.

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Portrait Ferenc

Forschung in 280 Zeichen

Forschung
in 280 zeichen

Wilhelm Sander Stiftung

@wilhelm

Was wäre, wenn Wissenschaft in 280 Zeichen passen würde? 

Natürlich tut sie das nicht – aber der Versuch lohnt sich. In dieser Rubrik haben wir alle im Jahr 2025 bewilligten Projekte in 280 Zeichen zusammengefasst: locker, direkt, im Stil des alten Twitters. Entstanden sind keine Abstracts, sondern Moment­aufnahmen. Ein Querschnitt durch die Krebsforschung unserer Zeit – 60 Projekte, verdichtet auf das Wesentliche. 

Forschung
in 280 zeichen

Wilhelm Sander Stiftung

@wilhelm

Was wäre, wenn Wissenschaft in 280 Zeichen passen würde? 

Natürlich tut sie das nicht – aber der Versuch lohnt sich. In dieser Rubrik haben wir alle im Jahr 2025 bewilligten Projekte in 280 Zeichen zusammengefasst: locker, direkt, im Stil des alten Twitters. Entstanden sind keine Abstracts, sondern Moment­aufnahmen. Ein Querschnitt durch die Krebsforschung unserer Zeit – 60 Projekte, verdichtet auf das Wesentliche. 

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Dr. Anna Brichkina  

@Philipps-Universität Marburg

Tumorassoziierte Makrophagen unterdrücken das Immunsystem und schirmen Lungentumoren ab. Wir entwickeln verkapselte Wirkstoffe, die gezielt diese immunsuppressiven Zellen adressieren – und so den Weg für effektivere Immuntherapien freimachen.

#Lungenkrebs

PD Dr. Katrin Böttcher

@Universitätsklinikum Tübingen

Nicht-alkoholische Fettlebererkrankung erhöht das Leberkrebsrisiko erheblich. Wir untersuchen, wie spezifische Fettsäuren die antitumorale Funktion von MAIT-Zellen beeinträchtigen – und damit das Immunsystem des metabolisch belasteten Organs ausbremsen.

#Leberkrebs

Dr. Martina Lutz

@Eberhard Karls Universität Tübingen

PD-L1-Checkpoint-Inhibitoren wirken systemisch – mit entsprechendem Nebenwirkungsprofil. Wir entwickeln bispezifische Antikörper, die die PD-L1-Blockade auf das Tumormikro­milieu begrenzen: wirksamere Immuntherapie mit reduziertem Kollateralschaden.

#Immunonkologie

Dr. Jan Böttcher 

@Eberhard Karls Universität Tübingen

NK-Zellen erkennen Tumorzellen direkt – doch das Tumormilieu blockiert sie über PGE2-EP2/EP4-Signaling. Wir hemmen diesen Dysfunktionsmechanismus, um adoptive NK-Zell-Therapien wieder schlagfähig zu machen. 

#Immuntherapie

Prof. Sonia Tugues Solsona 

@Universität Zürich

Die Leber ist das bevorzugte Ziel von Darmkrebsmetastasen. Wir suchen nach Gedächtnis-T-Zellen, die Tumoren langfristig im Visier behalten – als prognostische Marker und mögliche Basis für neue Immuntherapien bei kolorektalen Lebermetastasen. 

#Metastasierung

Prof. Dr. Thomas Dobner

@Leibniz-Institut für Virologie Hamburg

Humane Adenoviren können Zellen transformieren – durch das Onkoprotein E1B-55K, das zelluläre Transkriptionsfaktoren wie TEAD dereguliert. Wir entschlüsseln diesen Mechanis­mus auf molekularer Ebene und suchen nach neuen Angriffspunkten für Krebstherapien.

#Virotherapie


Forscherin bei Laborarbeit mit Pipette am Arbeitsplatz

Entwicklung des HPV-Impfstoffes

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Von der Entdeckung
zur Prävention


AUTORIN Konstanze Adam


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Entdeckung
zur Prävention


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Die Geschichte des Impfstoffs gegen Humane Papillomviren (HPV) ist zugleich die Geschichte des außergewöhnlichen Engagements der Wilhelm Sander-Stiftung. Über einen Zeitraum von 50 Jahren zieht sich die HPV-Forschung wie ein roter Faden durch das Förderportfolio der Stiftung – von Harald zur Hausens mutigem Verdacht in den 1970er Jahren bis zur weltweiten Anwendung eines Impfstoffs, der Krebs verhindert, bevor er entsteht. Mit 249 geförderten Projekten, die zehn Prozent des gesamten Stiftungsportfolios ausmachen, wird deutlich: Dies ist keine Episode in der Krebsforschung, sondern ein herausragendes Kapitel wissenschaftlichen Fortschritts.

TEIL 1 EIN VERDACHT WIRD ZUR GEWISSHEIT

Der Ausgangspunkt unserer Geschichte ist in seiner Schlichtheit beeindruckend. In den 1970er Jahren erkannte der Virologe Harald zur Hausen ein auffälliges epidemiologisches Muster: Gebärmutterhalskrebs und Genitalwarzen zeigten überraschend ähnliche Verbreitungsmuster. Was für andere nur eine statistische Beobachtung war, sollte zur bahnbrechenden Hypothese werden: Nicht nur Schicksal oder Vererbung, sondern Viren könnten zentral für die Krebsentstehung verantwortlich sein. Für diese Erkenntnis erhielt zur Hausen 2008 den Nobelpreis für Medizin.

Die Wilhelm Sander-Stiftung war von Anfang an dabei – und vertraute damit auf etwas, das 1975 völlig ungewiss war. Ihrem Anspruch folgend, innovative Krebsforschung zu fördern, erkannte sie früh das Potenzial dieser virologischen Hypothese und berief den späteren Nobelpreisträger Harald zur Hausen als Gründungsmitglied in ihren Wissenschaftlichen Beirat – damals noch Direktor des Instituts für Virologie an der Universität Erlangen, später langjähriger Wissenschaftlicher Vorstand und Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg (1983–2003). Diese Verbindung basierte weniger auf Planung als auf dem Vertrauen in einen Forscher und seine Fragen: Die Stiftung war bereit, an dieser Forschung festzuhalten, ohne zu wissen, wohin sie führen würde.

Nahaufnahme einer Laboranalyse mit Pipette und Probenröhrchen
Nahaufnahme einer Laboranalyse mit Pipette und Probenröhrchen

TEIL 2 GRUNDLAGENFORSCHUNG ALS FUNDAMENT

Die 1980er und 1990er Jahre waren Jahrzehnte der Grundlagenforschung. Mit welchen Genen infiziert das Virus eine Zelle? Wie kann es sich im Körper verstecken, um Dauer-Virusinfektionen auszulösen? Wie entwickelt sich aus einer andauernden Virusinfektion schließlich Krebs? Diese Fragen trieben die Forschung voran, und die Wilhelm Sander-Stiftung war ein verlässlicher Partner dieser Arbeit. Sie ermöglichte es Forschenden, langfristig an einem zunächst noch umstrittenen Thema zu arbeiten, dessen praktischer Nutzen noch nicht absehbar war.

Prägende Köpfe dieser Phase waren Forschende am DKFZ Heidelberg, die eng mit Harald zur Hausen zusammenarbeiteten. Insbesondere sind hier Lutz Gissmann, Matthias Dürst und Elisabeth Schwarz zu nennen.

Das Heidelberger Netzwerk war dabei mehr als nur eine räumliche Konzen­tration von Forschungsteams. Prof. Dr. Martin Müller vom DKFZ betont die entscheidende Rolle von anwendungsbezogener Forschung – ein Ansatz, der allerdings keine Erfolgsgarantie bietet. „Die meisten Entwicklungen enden, ohne dass der Markt erreicht wird“, so Müller. „Aber wenn es keine anwendungsbezogene Forschung gäbe, wäre eben auch überhaupt kein Fortschritt in dieser Richtung möglich.“ Was das Heidelberger Netzwerk auszeichnete, waren insbesondere Ausdauer und Kontinuität. Zur Hausen fiel durch sein enormes Interesse an der Forschung im Detail auf: „Beinahe jeden Morgen kam er in die Abteilung und diskutierte mit den Mitarbeitern die neuesten Ergebnisse.“ Gissmanns Stärke war wiederum seine internationale Anerkennung und sein persönlicher Draht zu Kolleginnen und Kollegen weltweit. „Daraus entwickelten sich vielfältige Kooperationen“, erinnert sich Müller. Doktorandinnen und Doktoranden konnten beispielsweise Forschungsaufenthalte in anderen Laboren absolvieren.

Thomas Iftner in Erlangen führte bereits Ende der 1980er Jahre Pionierarbeiten zur HPV-Biologie durch. All diese Arbeiten entstanden in einem Ökosystem, das die Wilhelm Sander-Stiftung aktiv mitgestaltete. Besonders bemerkenswert war die Kontinuität und strategische Langfristigkeit in der Besetzung des wissenschaftlichen Beirats. Neben Harald zur Hausen waren hier  auch Bernhard Fleckenstein und später Ralf Bartenschlager tätig – allesamt hochkarätige Virologen und Experten in der molekularen Virologie. 

TEIL 3 DER WEG ZUM IMPFSTOFF – EIN MARATHON, KEIN SPRINT

Die gesamte Entwicklung des HPV-Impfstoffs glich eher einem Marathon als einem Sprint. Noch bis in die 1990er Jahre hinein galt es als technisch unmöglich, Papillomaviren in Zellkulturen zu züchten. Die Wissenschaft brauchte ausdauernde Forschende und mutige Geldgebende, die an den Durchbruch glaubten.

Eine zentrale Rolle spielten die Arbeiten von Gissmann und Dürst: Sie hatten HPV16-Isolate von prämalignen Läsionen charakterisiert – also von Läsionen, bei denen HPV16 nicht ins Genom integriert war. Diese Isolate wurden mit den National Institutes of Health (NIH) geteilt und bilden bis heute die Grundlage für alle HPV-VLP-Impfstoffe weltweit.

In den frühen 1990er Jahren begannen verschiedene Arbeitsgruppen, die Hauptstrukturproteine des HPV-Virus (L1-Kapsidprotein) so herzustellen, dass sie sich spontan zu Virus-ähnlichen Partikeln zusammenfügten – ideal für einen Impfstoff. Doch für HPV16 funktionierte dies nicht. Das Problem lösten österreichische Virologinnen und Virologen um Reinhard Kirnbauer: Nach Analyse eines HPV16 Klons, welcher vom DKFZ isoliert worden war, korrigierten sie eine Mutation im Standard-Isolat an Position 202, woraufhin die Partikelbildung gelang. Eine Erinnerung daran, dass winzige Details in der Forschung Erfolg oder Misserfolg ausmachen.

Mit diesem Durchbruch war der Weg zur praktischen Anwendung geebnet. Die erste klinische Studie fand 1996 statt. Bereits in den frühen 2000er Jahren zeigten umfangreiche klinische Studien mit etwa 25.000 jungen Frauen: Der Impfstoff funktionierte. 2006 genehmigten die Regulierungsbehörden den ersten HPV-Impfstoff.

winzige details
entscheiden über erfolg
oder misserfolg

TEIL 4 MARTIN MÜLLER UND DIE THERAPEUTISCHE ZUKUNFT

Während die prophylaktischen Impfstoffe ihren Siegeszug antraten, verfolgte eine neue Forschungsgeneration eine andere Frage: Wie lässt sich eine durch HPV verursachte Krankheit auch nach einer Infektion noch verhindern oder heilen?

Martin Müller vom DKFZ widmet sich dieser Frage bis heute. Seine Arbeitsgruppe entwickelt kombinierte prophylaktische und therapeutische Impfstoffe – ein Ansatz, der als „post-exposure Prophylaxe“ bekannt ist. Während die großartigen VLP-Impfstoffe eine kritische Schwachstelle haben – sie schützen nur vor einer HPV-Infektion – sollen therapeutische Impfstoffe Menschen helfen, deren Körper bereits mit HPV infiziert ist oder die bereits frühe Läsionen entwickelt haben. Müllers Forschung zielt darauf ab, diese Lücke zu schließen.

Die Wilhelm Sander-Stiftung unterstützt Müllers Arbeitsgruppe viele Jahre lang bei der Entwicklung dieser kombinierten Impfstoff-Strategien. Dies zeigt einmal mehr den Schwerpunkt der Stiftung, ambitionierte, hoch innovative Projekte mit einem translationalen Ansatz zu ermöglichen.

TEIL 5 EINE BEISPIELLOSE ERFOLGSGESCHICHTE

Die Realität heute ist eindrucksvoll: Der HPV-Impfstoff ist einer der erfolgreichsten Impfstoffe, die je entwickelt wurden. In Ländern mit hoher Durchimpfungsrate sank die Häufigkeit bei Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs um bis zu 90 Prozent. Hochrisiko-HPV-Infektionen werden verdrängt, bevor sie sich in Krebsvorstufen umwandeln können. Dabei stellt HPV-bedingter Krebs ein erhebliches Gesundheitsproblem dar: Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 6.000 Frauen und 1.700 Männer an HPV-assoziierten Krebserkrankungen. Doch für viele Betroffene ist diese Krebsart durch die Impfung mittlerweile vermeidbar geworden, bevor sie sich entwickelt.

Dies ist die oft zitierte „From Bench to Population Prevention“-Story, auf die Medizinerinnen und Virologen hingearbeitet hatten. Grundlagenentdeckung → tieferes Verständnis → technische Innovation → klinische Validierung → weltweite Anwendung. Selten wird dieser Weg so klar und so vollständig gegangen. Und die Wilhelm Sander-Stiftung war über alle diese Phasen hinweg dabei.

Allerdings war der Weg vom Labor zur weltweiten Anwendung alles andere als geradlinig. Martin Müller betont, dass dieser Übergang ein allmählicher Prozess war und nicht auf einen plötzlichen „Eureka-Moment“ zurückzuführen ist. Ein entscheidender Punkt war erreicht, als große Pharmaunternehmen die verfügbaren Lizenzen für die VLP-Technologie weltweit aufkauften – da wurde klar, dass eine wirtschaftliche Entwicklung möglich sein könnte. Doch es gab erhebliche Zweifel: Wie wirksam wären die Impfungen wirklich? Benötigte man starke Antikörper-Reaktionen in den Schleimhäuten? Diese Fragen konnten nur durch umfangreiche klinische Studien beantwortet werden. Als Merck und GlaxoSmithKline „das Heft in die Hand nahmen“, wie Müller es ausdrückt, veränderte sich die Dynamik: Plötzlich dominierten diese Unternehmen die HPV-Konferenzen, während sie ihre internen Entwicklungen unter Verschluss hielten, bis die Ergebnisse publiziert wurden. Aber es ging voran.

In Deutschland stieß der Impfstoff zunächst auf erhebliche Widerstände. Eine Gruppe von 17 renommierten deutschen Klinikern äußerte grundlegende Bedenken: Zunächst sollte abgewartet werden, ob die Impfung tatsächlich Gebärmutterhalskrebs verhindert – eine Frage, deren Beantwortung Jahre oder Jahrzehnte dauern würde. Auch die Sinnhaftigkeit der Impfung wurde insgesamt infrage gestellt. Harald zur Hausen trat mit einer exzellenten und fundierten Gegenrede an, die unter anderem in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschien. Dieser wissenschaftliche Diskurs zeigt: Selbst bei einer brillanten Idee ist der Weg zur Akzeptanz in der medizinischen Praxis lang und umstritten.

selbst brillante ideen
stossen auf widerstand

TEIL 6 DAS PORTFOLIO EINER VISIONÄREN STIFTUNG

Ein Blick auf die 249 Projekte, die die Wilhelm Sander-Stiftung im Bereich onkogener Viren und HPV-Prävention über einen Zeitraum von 50 Jahren gefördert hat, offenbart ein außergewöhnliches strategisches Engagement. Mit zehn Prozent des gesamten Förderportfolios ist dieser Forschungsschwerpunkt bemerkenswert stark vertreten. Dies unterstreicht sowohl die wissenschaftliche Kontinuität als auch die tiefe Überzeugung, dass diese Forschung richtungsweisend ist.

Was macht diesen Forschungsschwerpunkt einzigartig im Portfolio? Es ist die „rote Linie“ – der klar erkennbare Bogen von der virologischen Entdeckung (HPV als Krebsursache) über die biologische Aufklärung (Wie erzeugt das Virus Krebs?) zur präventiven Lösung (Wie schützen wir die Bevölkerung?) und darüber hinaus zu neuen therapeutischen Ansätzen. Während andere Förderquerschnitte eher nach medizinischen Fachgebieten strukturiert sind, erzählt dieser Strang eine wissenschaftliche Geschichte mit klarem Anfang, nachvollziehbarem Fortschritt und noch immer offenen Fragen für die Zukunft.

Modernes Labor mit Forscherin und Analysegeräten im Einsatz

TEIL 7 WAS BLEIBT ZU TUN? NEUE HORIZONTE UND INTERDISZIPLINARITÄT

Die aktuelle Förderung von Projekten wie zum Beispiel dem von PD Dr. Thorsten Rieckmann vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zeigt: Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert nicht nur HPV-Grundlagenforschung zur Optimierung von Impfstoffen, sondern erforscht auch völlig neue klinische Anwendungen. Wichtig dabei ist, dass HPV-assoziierte Tumoren nicht auf den Gebärmutterhals beschränkt sind. Sie entstehen auch im Mund-Rachen-Raum, in der Scheide, am After und an anderen Stellen – sowohl bei Frauen als auch bei Männern.

Während Rieckmann neue Therapiewege erkundet, arbeitet Prof. Dr. Frank Stubenrauch von der Eberhard Karls Universität Tübingen an wissenschaftlichen Grundlagen: Er erforscht, wie HPV persistiert und wie chronische Infektionen zur Krebsentstehung führen. Die Wilhelm Sander-Stiftung förderte mehrere seiner Grundlagenprojekte. Seine Arbeiten zeigen die molekularen Mechanismen, auf die präventive und therapeutische Strategien letztlich abzielen – und bilden damit die Grundlage für die klinischen Ansätze, die Rieckmann und andere heute vorantreiben.

Bemerkenswert ist zudem, dass die Wilhelm Sander-Stiftung bei der Tumorentität Kopf-Hals-Karzinome aktuell mehrere parallele Forschungsansätze fördert, etwa auch die Arbeit von Prof. Dr. Anna Dubrovska (siehe auch den Artikel „Im Inneren des Tumors“ in diesem Heft) zur Überwindung der Immunsuppression in diesen Tumoren. Dies zeigt, wie die Stiftung Probleme aus verschiedenen Blickwinkeln angehen lässt, um innovative Therapielösungen zu schaffen.

Modernes Labor mit Forscherin und Analysegeräten im Einsatz

TEIL 7 WAS BLEIBT ZU TUN? NEUE HORIZONTE UND INTERDISZIPLINARITÄT

Die aktuelle Förderung von Projekten wie zum Beispiel dem von PD Dr. Thorsten Rieckmann vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zeigt: Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert nicht nur HPV-Grundlagenforschung zur Optimierung von Impfstoffen, sondern erforscht auch völlig neue klinische Anwendungen. Wichtig dabei ist, dass HPV-assoziierte Tumoren nicht auf den Gebärmutterhals beschränkt sind. Sie entstehen auch im Mund-Rachen-Raum, in der Scheide, am After und an anderen Stellen – sowohl bei Frauen als auch bei Männern.

Während Rieckmann neue Therapiewege erkundet, arbeitet Prof. Dr. Frank Stubenrauch von der Eberhard Karls Universität Tübingen an wissenschaftlichen Grundlagen: Er erforscht, wie HPV persistiert und wie chronische Infektionen zur Krebsentstehung führen. Die Wilhelm Sander-Stiftung förderte mehrere seiner Grundlagenprojekte. Seine Arbeiten zeigen die molekularen Mechanismen, auf die präventive und therapeutische Strategien letztlich abzielen – und bilden damit die Grundlage für die klinischen Ansätze, die Rieckmann und andere heute vorantreiben.

Bemerkenswert ist zudem, dass die Wilhelm Sander-Stiftung bei der Tumorentität Kopf-Hals-Karzinome aktuell mehrere parallele Forschungsansätze fördert, etwa auch die Arbeit von Prof. Dr. Anna Dubrovska (siehe auch den Artikel „Im Inneren des Tumors“ in diesem Heft) zur Überwindung der Immunsuppression in diesen Tumoren. Dies zeigt, wie die Stiftung Probleme aus verschiedenen Blickwinkeln angehen lässt, um innovative Therapielösungen zu schaffen.

TEIL 8  EINE JUBILÄUMSBOTSCHAFT – GEDULD UND LANGFRISTIGKEIT

Zum Jubiläum der Wilhelm Sander-Stiftung ist die HPV-Story eine Botschaft mit mehreren Ebenen. Sie zeigt, dass sich langfristige Investitionen in die Grundlagenforschung auszahlen – wenn auch nicht immer schnell, so doch nachhaltig und mit großem Einfluss. Sie illustriert die Kraft der Zusammenarbeit zwischen Forschenden weltweit. Und sie unterstreicht, wie wichtig es ist, dass Stiftungen in Fragen investieren, deren praktischer Nutzen noch nicht unmittelbar sichtbar ist.

Frank Stubenrauch bringt die Notwendigkeit dieser Geduld auf den Punkt: „Grundlagenforschung ist langsam und von Rückschlägen gekennzeichnet. Daher muss man einen langen Atem haben, neugierig sein und Geldgeber wie die Wilhelm Sander-Stiftung haben, die Grundlagenforschung langfristig unterstützen.“

Was die Stiftung darüber hinaus auszeichnet, ist ihre Effizienz bei aller Langfristigkeit. Stubenrauch unterstreicht: „Ein entscheidender Vorteil der Förderung durch die Wilhelm Sander-Stiftung ist die relativ kurze Zeit zwischen Antragseinreichung und Entscheidung. Dies erlaubt es, schnell neue Ideen umzusetzen.“ Thorsten Rieckmann fasst zusammen, warum dies wertvoll ist: „Stiftungen wie die Wilhelm Sander-Stiftung sind elementare Bausteine in der Wissenschaftsförderung, um ambitionierte Projekte mit wissenschaftlicher Präzision und Tiefe bearbeiten zu können.“

Die Erfolgsgeschichte des HPV-Impfstoffs zeigt eindrucksvoll, welche einzigartige Rolle private Stiftungen spielen können. Sie fördern nicht nur etablierte Mainstream-Forschung, sondern haben den Mut, in Hypothesen zu investieren, in Menschen, die neue Wege denken, die an Fragen festhalten, auch wenn die Antworten noch Jahre entfernt sind. Gebärmutterhalskrebs ist zwar noch nicht völlig verschwunden, in Ländern mit guter Impfquote ist er jedoch in absehbarer Zeit ein vermeidbarer Krebs geworden. Die Wilhelm Sander-Stiftung hat einen wesentlichen Anteil daran, dass diese Geschichte Realität wurde. 

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