Roswitha Engelmann und Thea Treffer lachen bei einem Kaffee in heller, freundlicher Atmosphäre

Als die Stempeluhr noch den Takt vorgab

Zwei Stiftungsurgesteine erinnern sich


EIN INTERVIEW MIT Roswitha Engelmann & Thea Treffer


Roswitha Engelmann und Thea Treffer lachen bei einem Kaffee in heller, freundlicher Atmosphäre

Als die Stempeluhr noch den Takt vorgab

Zwei Stiftungsurgesteine erinnern sich


EIN INTERVIEW MIT Roswitha Engelmann & Thea Treffer


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Die Stempeluhr gibt es nicht mehr. Auch der Gong, der einst um 9:15 Uhr zur Kaffeepause rief, ist in der Wilhelm Sander-Stiftung verstummt. Doch die Erinnerungen sind quicklebendig, zumindest bei Roswitha Engelmann und Thea Treffer. Viele Jahrzehnte lang haben die beiden Frauen die Stiftung mitgeprägt.


Zwischen Börsenkursen und Schreibmaschine

1971 betritt die 15-jährige Roswitha Engelmann zum ersten Mal das Gebäude in Neustadt an der Donau. Wilhelm Sander selbst bekommt sie nur ein paar Mal zu Gesicht. „Aber ich habe schon mitbekommen, dass er vormittags manchmal noch in seinem Bett geblieben ist“, erinnert sie sich schmunzelnd. Täglich um 14 Uhr musste jemand zu ihm hinaufgehen, um die Börsenkurse aus dem Radio zu übergeben.
Roswitha Engelmann beginnt ihre Ausbildung in der Mietenbuchhaltung, Thea Treffer startet 1975 in der Finanzbuchhaltung. In den folgenden Jahrzehnten prägen beide die Stiftung auf ihre Weise mit. Aus jungen Lehrmädchen werden erfahrene Fachkräfte, die zu verlässlichen Stützen der Organisation werden.
Das Büro der 1970er Jahre ist eine andere Welt. Schreibmaschinen, Karteikarten und Durchschläge bestimmen den Arbeitsalltag. In jedem Raum stehen Aschenbecher, die Luft ist verraucht. Eine Küche gibt es nicht. Kaffeepause bedeutet, Wasser von draußen zu holen, Kaffee mit dem Wasserkocher aufzubrühen und die Tassen anschließend in einer Waschschüssel zu spülen. Die Schreibtische sind aus schwerem Holz, ihre Oberflächen vom jahrelangen Schreiben so abgenutzt, dass Folien darübergelegt werden müssen.

Der Weg ins digitale Zeitalter

Auch ihre Arbeit erzählt von einer anderen Zeit. Roswitha Engelmann und Thea Treffer erleben den digitalen Wandel von Anfang an. Sie beginnen mit Karteikarten und Durchschlagpapier, erfassen jede Buchung von Hand. Für jede Mietpartei gibt es eigene Karten, später Lochkarten, die extern in großen Maschinen verarbeitet werden. Die Ergebnisse kommen als lange Listen zurück und müssen akribisch geprüft werden. „Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen“, sagt Thea Treffer.
1975 beginnt ein erster technischer Umbruch: Erstmals werden Mieten per Lastschrift eingezogen – damals eine Sensation. 1976 folgt der erste externe Nixdorf-Computer, 1979/80 kommen die ersten Bildschirme hinzu. Jede technische Neuerung erleben sie nicht nur mit, sondern gestalten sie auch im Arbeitsalltag mit.

Wilhelm Sander Entstehung der Stiftung

Streiche und Schabernack

Wo Präzision und Struktur den Büroalltag bestimmten, brauchte es gelegentlich Auflockerung. Der Faschingsgeist wehte jedes Jahr durch die Stiftung. Einmal landete sogar eine Stinkbombe im Büro, ausgerechnet im Durchgangszimmer der Abteilungsleiter. „Da haben sie alle gesucht, und ich hab gesagt: Nein, nein, das war ich nicht“, gesteht Roswitha Engelmann verschmitzt.
Der unsinnige Donnerstag war Hochsaison. Roswitha Engelmann erinnert sich an Faschingsnächte, in denen ausgiebig gefeiert wurde. Am nächsten Morgen versuchten die Kolleginnen, möglichst unauffällig durch den Büroalltag zu kommen und den Vorgesetzten auf Abstand zu halten. „Wir waren jung“, sagt sie mit einem Schmunzeln, „und der Spaß durfte nicht zu kurz kommen.“ Die Streiche haben Tradition: Einem Vorstandsmitglied wird während einer Feier kurzerhand die Krawatte abgeschnitten, Kolleginnen und Kollegen im Krankenhaus maskiert besucht. Besonders kreativ werden sie, wenn es um einen Abteilungsleiter geht, der sich technischen Neuerungen hartnäckig verweigert. Sie überzeugen ihn, dass man am Computer nicht arbeiten könne, wenn der Drucker läuft. „Der hat das tatsächlich geglaubt“, sagt Thea Treffer und lacht noch heute.
Diese kleinen Scherze, erzählen sie, hätten den Zusammenhalt gestärkt und für willkommene Ablenkung von der akribischen Büroarbeit gesorgt. Nie boshaft, immer mit einem Augenzwinkern.

Mehr als nur Arbeit

Was die beiden über Jahrzehnte in der Stiftung gehalten hat, ist mehr als der Beruf. „Es war ein großes Geben und Nehmen“, sagt Roswitha Engelmann. Nach der Geburt ihrer Kinder arbeitet sie in Teilzeit und bleibt der Stiftung treu. Arbeitsverträge? Jahrzehntelang Fehlanzeige. Vieles basiert auf Vertrauen.
Die Betriebsausflüge sind legendär, die Weihnachtsfeiern haben Tradition. Bis heute treffen sich Roswitha Engelmann und Thea Treffer, sprechen über früher und über den Wandel der Stiftung.
Rund 40 Jahre liegen zwischen Schreibmaschine und Computer, zwischen Durchschlagpapier und E-Mail. Geblieben sind die Geschichten von zwei Frauen, die die Stiftung nicht nur begleitet, sondern mit aufgebaut, geprägt und getragen haben. 

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