
50 Jahre. Und voller Energie.
HARALD SPIEGEL, VORSITZENDER DES STIFTUNGSRATES DER WILHELM SANDER-STIFTUNG

50 Jahre. Und voller Energie.
HARALD SPIEGEL, VORSITZENDER DES STIFTUNGSRATES DER WILHELM SANDER-STIFTUNG
Fünfzig Jahre sind eine lange Zeit. Lange genug, um Wirkung zu sehen – in der Forschung, in der Medizin und im Leben von Menschen, denen neue Therapien, neue Chancen eröffnet haben. Und doch ist es eine kurze Zeit, wenn wir erahnen, wie viel noch vor uns liegt.
Dieses Magazin ist beides: Rückblick und Aufbruch. Es ist ein Zeugnis dessen, was fünfzig Jahre unabhängige Forschungsförderung bewirken können, und zugleich ein Ausblick auf das, was uns aus heutiger Sicht erreichbar erscheint.
Wilhelm Sander hat mit seinem Tod eine Stiftung ins Leben gerufen und seinen Namen im Bereich der medizinischen Forschung verewigt. Er hat Privateigentum in gemeinnützige Verantwortung gebunden, die weit über sein Leben hinauswirkt. Wer er war, was ihn antrieb und wie seine Zeit ihn formte, erzählt dieses Magazin. Nicht als Hommage, sondern als ehrlicher Versuch einer Annäherung an einen Menschen, dessen Gedanken und letztendlicher Wille seither Früchte tragen.
Mehr als 2.700 Forschungsprojekte. Über 350 Millionen Euro für die Krebsforschung. Tausende von Forschenden durften dank dieser Förderung Fragen nachgehen, die zuvor als zu riskant erschienen oder noch nicht gestellt wurden. Die Größe der Zahlen beeindruckt. Dahinter steht jedoch eine Haltung. Die Haltung, dass Erkenntnis lebensnotwendig ist. Dass echter Fortschritt Zeit benötigt und nicht quartalsweise entsteht. Und dass es Institutionen braucht, die diese Bedingungen aushalten und ermöglichen.
In diesem Heft begegnen Sie einigen dieser Forschenden. Sie erfahren, wie ein Impfstoff gegen HPV seinen Weg von der Grundlagenforschung in die Prävention fand und welche Rolle die Stiftung dabei spielte. Sie treffen auf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die ihre Arbeit in 280 Zeichen destillieren, sowie auf andere, die über das Scheitern sprechen und erklären, warum auch das zum Kern guter Forschung gehört. Sie hören von Gutachterinnen und Gutachtern, die darüber entscheiden, welches Projekt Förderung verdient. Und Sie lesen, was einen Nobelpreisträger antreibt.
Wir haben den Blick auch nach innen gerichtet. Auf die Menschen, die diese Stiftung täglich mit Leben füllen – manche seit Jahrzehnten. Auf eine Institutionengeschichte, die sich nicht in Jahresberichten erschöpft. Und schließlich auf die Frage, was Mäzenatentum heute bedeutet – nicht als Lückenfüller staatlicher Förderung, sondern als bewusste Übernahme von Verantwortung.
Fünfzig Jahre sind eine lange Zeit. Hier fühlen sie sich jedoch nicht wie Stillstand an, sondern wie Anlauf.
Ich wünsche Ihnen eine inspirierende, nachdenkliche und vielleicht auch ein bisschen stolze Lektüre – über das, was Forschung leisten kann, wenn man ihr den nötigen Raum gibt.